Teile und gewinnet
Dieses Sommerfestival wird das größte und schönste, das es je gab», verkündete der Künstlerische Leiter Matthias von Hartz im Programmheft. Auch das gesinnungsbewusste Festival in Hamburg ist von der «Wachstumslogik» bedroht. Bei einem Blick ins eigene Theorie-Programm mit dem Schwerpunkt «Gemeingüter» hätte sich als passendere Überschrift für die neuen Festival-Koproduktionen auf Kampnagel angeboten: «Share & Win».
Nicht nur bei Pina Bauschs «Kontakthof» begegnete man in Hamburg vielen alten Bekannten wie der Needcompany, Forced Entertainment, Akram Khan oder Cuqui Jerez. Das Hamburger Performanceduo geheimagentur als lokaler Act war ebenfalls kein Newcomer. Neu und ziemlich hoch in den diesjährigen internationalen Koproduktionscharts – wenn auch nicht unumstritten – lag Boris Charmatz’ Performance «Enfant», die kurz nach ihrer Weltpremiere als Festivaleröffnung in Avignon zur Deutschen Erstaufführung kam und auch hier das Publikum polarisierte. Charmatz, Tänzer und Leiter des Tanzzentrums Museé de la danse in Rennes, eilte der medienwirksame Ruf vom «Enfant terrible« bereits voraus. Seine
Arbeitsweise, auf dem alten Ehrenhof des Papstpalastes in Avignon noch «Tanz» genannt, fällt ...
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Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Anja Quickert
Zwölf Männer, halbnackt, in schwarzer Einheitsunterhose, eingesperrt in einen mit schwarzem Tuch ausgeschlagenen Innenhof. Fast alle sind jung, athletisch, zart. Sie befühlen und liebkosen sich. Dieses Venedig ist ein Knabeninternat. Und Internate taugen nicht für Idyllen. Also steht da plötzlich einer, den sie abstoßen, aus unerfindlichen Gründen. Ein kräftiger...
Was haben Städte gemeinsam, und worin unterscheiden sich ihre gleichen Einrichtungen? Fabriken, Bibliotheken, Einkaufszentren, Bahnhöfe, Hotels gelten als Knotenpunkte urbanen Lebens. Letztes Jahr im Herbst startete das auf vier Städte angelegte Projekt in Berlin, es folgten Buenos Aires und Warschau, schließlich Zürich. Es dürfte kaum reguläre Zuschauer gegeben...
Ein Globe-Theatre am Rhein? Das gibt es, und zwar nunmehr schon seit 20 Jahren. In London stand das sechseckige Theater, eines von fünf oder sechs «playhouses» seiner Zeit, am südlichen Themse-Ufer, 1599 wurde es erbaut, bereits 14 Jahre später, also noch zu Shakespeares Lebzeiten, ist es abgebrannt. Der Nachbau in Neuss steht am linken Rheinufer, gleich neben der...
