Schwummrige Aussichten
Was haben Städte gemeinsam, und worin unterscheiden sich ihre gleichen Einrichtungen? Fabriken, Bibliotheken, Einkaufszentren, Bahnhöfe, Hotels gelten als Knotenpunkte urbanen Lebens. Letztes Jahr im Herbst startete das auf vier Städte angelegte Projekt in Berlin, es folgten Buenos Aires und Warschau, schließlich Zürich. Es dürfte kaum reguläre Zuschauer gegeben haben, denen der vergleichende Blick im Ganzen vergönnt war.
Die Kuratoren Lola Arias und Stefan Kaegi hatten wohl auch kaum ein solches Jetset-Publikum im Sinn, eher die Erkundung des von verschiedenen Künstlern entwickelten, site-specific dokumentarischen Theaters zu unterschiedlichen Bedingungen. Expeditionen in die unbekannte Gegenwart, manchmal mit kleinen Interventionen oder auch schon ganz Rimini-klassisch als biografisch-soziologische Geschichten.
Glühende Haufen
In Warschau hat sich die Sache auf jeden Fall gelohnt. Der Argentinier Gerardo Naumann wählte für seine Fabrik-Exkursion eine riesige Stahlhütte am nördlichen Stadtrand aus. Die heutige Huta Arcelor Mittal hatte einst 10.000 Beschäftigte und war ein Schauplatz der Solidarnosc-Streiks von 1980. Inzwischen arbeiten in dem modernisierten Werk nur noch 500 ...
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Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Thomas Irmer
Mephisto wohnt in der Teisenberggasse 11. Aus dem öligen Haar wachsen ihm Hörner, der offene Bademantel gewährt Einblick auf einen imposanten Bauch und einen schwarzen Slip. Pleased to meet you: Der Teufel ist in Feierlaune, und wir sind heute seine Gäste. In Reih und Glied stehen wir an der Hausmauer und nippen an den milchig weißen Drinks, die uns gereicht...
Was wäre, wenn sich der als «Volksfeind» geächtete Dr. Stockmann durchgesetzt hätte? Wie sähe ein Staat aus, in dem Platons Ideal der menschlichen Auslese konsequent umgesetzt würde? Robert Schusters Bremer Inszenierung, die sich im Untertitel «Ein Ritus der Erinnerung» nennt, zeigt Ibsens Anti-Demokratie-Farce als Blick zurück aus einer fernen Zukunft. Während...
Das Vierspartentheater Osnabrück hat einen neuen Intendanten. Er heißt Ralf Waldschmidt, war zuletzt Operndirektor in Augsburg und packte die Gelegenheit beim Schopf: Sein Vorgänger Holger Schultze hatte ihm das Festival «Spieltriebe» vererbt, das seit 2005 alle zwei Jahre zum Spielzeitauftakt ein Bündel von neuen Stücken zum Routen-Event zusammenschnürt, quer...
