Teil des Problems
Kaum zu glauben, dass es sich hier um den Theatersaal des Grillo Theaters handelt. Umzingelt von kinogroßen Leinwänden, verteilt auf Drehstühlen sitzt das Publikum im leeren Raum. Mitten im Geschehen. Mal sind die Schauspieler:innen zum Greifen nahe, dann erscheinen sie nur im Film.
Bereits beim Einlass bekommt man über die vielen Leinwände simultane Einblicke in verschiedene Handlungsstränge; eine Frau liest in einem Designersessel, ein Bergmann füttert seine Tauben, jemand werkelt in einer kleinen Küche, und auf einer Großbaustelle wird ein Haus abgerissen (Bühnen- und Szenenbild, Location Scouting: Friederike Külpmann).
In ihrer neuesten Produktion «AufRuhr» am Schauspiel Essen widmen sich Volker Lösch, Christine Lang und Ulf Schmidt den aktuellen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt. Mit gewohnt kapitalismuskritischer Verve führen sie vor, was passiert, wenn ein Stadtteil an «das Kapital verschenkt» wird. Leidtragende sind die Anwohner:innen, das Klima und die Umwelt, denn für das fiktive Mega-Bauprojekt «Essen 5.0» soll der heruntergekommene Essener Norden verschwinden und ein neuer, schicker Stadtteil entstehen.
Dass der dreistündige Abend trotz ziemlichen Handlungswustes ...
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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Natalie Bloch
Stirbt ein Mensch, geht das Leben weiter. Stirbt die Menschheit, stirbt die Zeit. Das ist die tröstlich-traurige Bilanz eines Doppelprojekts der Regisseurin Laura Linnenbaum im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses. Max Porters lyrisch-fantastische Erzählung «Trauer ist ein Ding mit Federn» und Marlen Haushofers Roman «Die Wand» auf der Bühne: erst ein...
Zunächst sieht alles nach einem Druckfehler der Dramaturgie aus. Laut Stückeinführung spitze Regisseur Antú Romero Nunes Goldoni weiter zu und fordere Verwechslungen und Doppelbödigkeiten heraus, die durch «den Blick eines rein weiblichen Ensembles auf die männlichen Stereotype des 19. Jahrhunderts zusätzlich an Schärfe und Aktualität gewinnen». 19. Jahrhundert?...
Theater heute «Slippery Slope« nennt sich «almost a musical», fast ein Musical. Warum fast?
Yael Ronen Wir haben lange überlegt, wie wir diese Show nennen sollen, was für ein Genre das eigentlich ist. Wir wollten es erst nicht Musical nennen, weil wir dachten, das weckt beim Publikum falsche Erwartungen, was ein Musical sein soll. Andererseits ist «Slippery Slope»...
