Starke Frauen
Stirbt ein Mensch, geht das Leben weiter. Stirbt die Menschheit, stirbt die Zeit. Das ist die tröstlich-traurige Bilanz eines Doppelprojekts der Regisseurin Laura Linnenbaum im Kleinen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses.
Max Porters lyrisch-fantastische Erzählung «Trauer ist ein Ding mit Federn» und Marlen Haushofers Roman «Die Wand» auf der Bühne: erst ein lustiges Quartett mit einem Vater, der nach dem plötzlichen Tod seiner Frau alleine ist mit seinen beiden kleinen Söhnen und einer sprechenden Krähe, dann der mächtige Monolog einer Frau, die, plötzlich abgeschnitten von der Welt, sich für den letzten Menschen halten muss.
Zusammengehalten wird das Diptychon nicht nur inhaltlich durch das Thema des Verlusts, sondern auch optisch: Das gemeinsame Bühnenbild (Bühne: Daniel Roskamp) ist ein Baum, umgestürzt, blattlos, grau. Die Krone im schwarzen Wasser. Das Ganze in einem schwarzen Kasten. Ein nasses Bühnengrab ohne Inschrift.
Im ersten Teil, Max Porters Trauer-Etüde, wird die düstere Szenerie nur erhellt von einer weißgekleideten Figur: der Krähe. Das Federvieh bringt alles schön durcheinander. Kilian Ponert gibt dem Trauervogel die nötige Frechheit, irritierende Lebendigkeit ...
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Theater heute Februar 2022
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Gerhard Preußer
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