Substanzen aller Art
Nicht, dass London ein verschärftes Alkoholproblem hätte. Seit die uralten englischen Lizenzgesetze letztes Jahr gelockert wurden und besonders in den Großstadtpubs der Ausschank nicht mehr gnadenlos um 23 Uhr endet, ist der einzige Unterschied, dass die Kleingruppen trunkener und taumelnder Angelsachsen nicht mehr alle wie auf Kommando auf die Straße stürmen, sondern je nach Pubdienstschluss gestaffelt. Ansonsten alles wie gehabt.
Dennoch spielte Hochprozentiges im Cocktail der Londoner Herbstproduktionen, darunter ein selten gespielter Eugene O’Neill-Klassiker und Neues von Conor McPherson, Mark Ravenhill, Dennis Kelly und Caryl Churchill, eine auffallend wichtige Nebenrolle …
Kevin Spacey säuft im Mondlicht
Eigentlich liebt London seine Megastars auf der Bühne. Auch gerne aus Übersee. Doch Kevin Spacey hat es in der Inselmetropole trotz seines Kultstatus nicht eben leicht gehabt, seit er beschloss, im renommierten Old Vic Theatre nicht nur ab und an zu spielen, sondern die künstlerische Leitung zu übernehmen. Sein Eröffnungsstück 2005, «Cloaca» von Maria Goos, war ein Griff in ebenjene, und in dieser Spielzeit bekam Robert Altmans Inszenierung von Arthur Millers «Resurrection ...
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Herrlich frech, dieser Einstieg. Tritt ein Komiker an die Rampe, faltet seine schlecht abgepuderte Visage zum Berufslächeln auseinander, zieht die unterste Schublade und schwelgt in Frauen- und Türkenwitzen der übelsten Sorte. Der Komiker heißt Thomas Mehlhorn, er spielt Daniel, die Hauptfigur in Michel Houellebecqs Roman «Die Möglichkeit einer Insel». Und er...
Spannungsarm lehnt der Gatte an der Küchenzeile. Die Frau hat sich in einen Wutanfall hineingesteigert, schreit «du elender Kerl» und streicht sich eine absichtsvoll drapierte Grauhaarsträhne aus dem Gesicht. Er wolle jetzt «keine kleinkarierte Rechnung aufmachen», erwidert der Gatte in stilechtem Vorabendseriendeutsch und sitzt die Sache erst mal aus. Man scheint...
Der Jud’ tut gut.» Dieser Satz klingt ein wenig seltsam in Nazideutschland, aber er fällt nun doch in einem Film, der von sich im Untertitel behauptet, «die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler» zu erzählen: «Mein Führer» von Dani Levy ist eine Komödie, unschwer zu erschließen aus der Tatsache, dass es Adolf Hitler selbst ist, der den Satz sagt. «Der Jud’...
