Sterntalerkind

Ibsen «Nora» (Theater Oberhausen)

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«... oder Ein Puppenhaus»: Den Titel wörtlich nehmend, dreht sich Nora als Ballerina im Babydoll und mit plustrigem Rothaar auf giftgelbem Boden der Oberhausener Bühne, die bis auf eine grellgrüne Tannenbaum-Silhouette leer und von jederlei bürgerlichem Inventar verschont bleibt. Nora gehört ganz ins 19. Jahrhundert. Aber diese hier nicht in ein Salonstück und realistisches Seelendrama.

Sie entstammt vielmehr der Schauerromantik – und ist darin eine domestizierte Shockheaded Petra, die Manja Kuhl gespreizt, geziert und überreizt zum manischen Wesen in Tüll und Opfer einer vampiris­tischen Umgebung auf die Spitze treibt.

Man wartet nur darauf, dass E.T.A. Hoffmanns Automatenhersteller Coppelius, der zusammengenähte Boris Karloff oder Frankensteins Braut aus den Kulissen treten. Das tun stattdessen eine sich exaltiert gebärdende, schwarz geränderte Frau Linde (Nora Buzalka) sowie drei blutlose, spärlich frisierte Herren im Bratenrock. Torvald Helmer (Torsten Bauer), der seinem Namen alle Ehre machende und sich heillos verausgabende Dr. (K)Rank (Henry Meyer) und der Finanz-Filou Krogstad (Jürgen Sarkiss) pfeifen als lebende Leichen schon aus dem letzten Loch. Was sie nicht hindert, ...

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Theater heute Dezember 2010
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Andreas Wilink

Vergriffen
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