Silvia Stammen: In der Cafeteria des Todes

Stephan Kimmig inszeniert Tom Lanoyes «Atropa. Die Rache des Friedens» an den Münchner Kammerspielen

Theater heute - Logo

Am Abend der Premiere von «Atropa» an den Münchner Kammerspielen rollen die letzten Panzer der US-Army in Richtung kuwaitische Grenze aus dem Irak. Fast zehn Jahre Krieg, 4.500 gefallene Soldaten, 114.000 getötete Zivilisten, ein noch immer zutiefst destabilisiertes Land – die ernüchternde Bilanz eines Krieges, der angeblich zur Verteidigung westlicher Werte und Kultur geführt wurde. Da brachte der Trojanische Krieg, so er denn um circa 1100 v. Chr.

tatsächlich stattgefunden hat, ein besseres Ergebnis für die siegreichen Griechen, immerhin war die militärische und wirtschaftliche Vorherrschaft über das Ägäische Meer für einige Zeit gesichert. Doch an der Tatsache, dass Kriege nach wie vor überwiegend aus Kalkül und eher selten aus reiner Notwehr geführt werden, hat sich nicht viel geändert.
 
Über die Bande des Mythos gespielt

Atropa belladonna, die tödliche Tollkirsche, deren Saft, in die Augen geträufelt, den Blick verschleiert und besonders verführerisch machen soll, ist selbst nach der griechischen Schicksalsgöttin und Lebensfadenabschneiderin Atropos benannt und eine treffende Namensgeberin für ein Stück, das die Taktik der Verblendung und Schönrednerei in Verbindung mit der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2012
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Benutz es!

Die Besetzung verblüfft alle: Warum soll ausgerechnet das schüchterne Entlein Fine die nymphomane Camille (eine «ausgehungerte Hyäne») spielen? Immerhin geht es um eine Aufführung in der Volksbühne, die der berühmte Regisseur Kaspar Friedmann mit Schauspielschülern bestreiten will. Darum: Weil Fine einen «Schaden» hat! Und ein Schaden, das ist das Einfallstor für...

Wolfgang Kralicek: God save the Queen of Kalauer

Andere gehen zum Ausgleich joggen oder schwimmen. Elfriede Jelinek schreibt Komödien um. Es ist schon kurios: Ausgerechnet eine Autorin, deren eigene Stücke mit der konventionellen Dramenform wirklich nichts mehr zu tun haben, unterbricht die Textflächenproduktion immer wieder, um sich mit Dramen konventionellster Bauart zu beschäftigen, den Farcen von Feydeau und...

Der Bundespräsident – neue Talente für ein hohes Amt

ULRICH KHUON
versteht sein Publikum und bietet für jeden solide Qualität. Mit seiner vertrauenswürdigen, bedenkensstarken Art könnte er das Präsidentenamt wieder in der Mitte der Gesellschaft verankern. Seine ruhige, ausgewogene Rhetorik ist prädestiniert für Weihnachtsansprachen

ANGELA WINKLER
spielt immer mit innigster Glaubwürdigkeit und hat sich auch in...