Sie will doch nur spielen
Eine Revue will sie machen, bloß kein Drama: Ein Drama, sagt die Tänzerin Fernanda Farah auf der Berliner Volksbühne, handelt immer von Family Business. Hamlet mag Claudius nicht, weil dieser Papa getötet und Mama geheiratet hat. Antigone will ihren Bruder begraben, der Onkel will es nicht. Schon bringen sich alle um. Was Antike und Klassik in die Welt gesetzt haben, das Drama, ist in Wahrheit eine lokale Geschichte eingesessener Familien, hier von einer aus Dänemark, da von einer aus Theben.
Deshalb sei für Constanza Macras, die seit fast dreißig Jahren in Berlin lebt, das Drama fürs lokale Stadttheater so ideal. Auch das ist gemacht für Alteingesessene. Dass sich eine so weltgereiste Choreografin wie Macras aber in anderer Leute Familienangelegenheiten mischt, das der Buddenbrocks, des Denver Clans, all dieser Telenovelas, gehe natürlich nicht. Denn Drama, das ist etwas für Daheimgebliebene, für Sesshafte und Stubenhocker.
Revue ist anders, ganz anders. Die Revue nimmt einen mit auf Reisen und lässt die Welt passieren. Sie entstand als Genre, als man die Eisenbahn baute und die Leute ihr Dorf oder die Burg nicht mehr nur zum Kriegführen verließen, sondern um endlich auch mal ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Arnd Wesemann
AACHEN, GRENZLANDTHEATER
15. Schiller, Kabale und Liebe
R. Catharina Fillers
AACHEN, THEATER
2. nach Hesse, Der Steppenwolf
R. Lilli-Hannah Hoepner
10. Schmalz, dosenfleisch
R. Sebastian Martin
11. Shakespeare, Was ihr wollt
R. Christina Rast
ALTENBURG/GERA, THEATER
10. nach Böll, Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen...
Wenn Menschen Kinder kriegen, werden sie zu Schriftstellern. Kinder mögen es, wenn man ihnen beim Zubettgehen eine Geschichte erzählt, oft verlangen sie sogar danach. Bei den Geschichten, die sich Mütter und Väter im Kinderzimmer so ausdenken, handelt es sich in der Regel um Gebrauchsliteratur ohne besondere ästhetische Ansprüche und mit klar definiertem Zweck:...
Architektonisch wirkt das Stadttheater Gießen wie ein Schatzkästchen aus einer anderen Zeit: Es liegt am vierspurigen, stark befahrenen Innenstadtring, gegenüber von brutalistischen Nachkriegsbauten wie dem Kongress- und dem Behördenzentrum. Ein kompakter klassizistischer, 1907 eröffneter Bau mit Freitreppe und hohen Jugendstilfenstern im ersten Stock. Diese sind...
