Schuld und Bühne
Dostojewski ist einer der Autoren, an die man einmal geglaubt haben muss. Für empfängliche Seelen ist das eine beglückende Zeit, man identifiziert sich mit des Russen irrsinnsnahem Allmitgefühl: sein spezielles Gespür für die Spielsucht des Spielers, die Zerrüttung des Mörders, die Fallsucht des Idioten. Später schämt man sich dann etwas für die Dostojewski-Begeisterung oder freut sich, dass man das einmal erleben durfte. Damit ist es dann meist auch gut, sofern man nicht vom Dostojewski-begeisterten deutschen Theater wieder angesteckt wird.
Zum Beispiel «Schuld und Sühne» am Schauspiel Frankfurt. Schnell die notwendigen Eckdaten: Wir haben fünf Raskolnikows (Nico Holonics, Torben Kessler, Oliver Kraushaar, Christoph Pütthoff und Lukas Rüppel, alle in grauer Einheitsunterwäsche), wobei Holonics den Oberraskolnikow gibt und die anderen schon auch mal die anstehenden anderen: Torben Kessler etwa den Ermittlungsrichter Porfiri. Es geht darum, dass Raskolnikow verrückt ist, sich im Kopf vervielfacht hat und mithin eine multiple Persönlichkeit ist. Das wird anfangs von Holonics allein, dann immer mit einem zusätzlichen Schauspieler, später von allen fünf gemeinsam vorgeführt, mit viel ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Peter Michalzik
Bittersüße Melancholie und traumgleich verschobene Wahrnehmung – der Titel von Henriette Dushes bereits 2011 entstandener «Bühnenelegie» (ausgezeichnet mit dem Grabbe-Preis und dem Lenz-Preis für Dramatik) setzt zweifellos poetische Assoziationen frei. «Drei Spielerinnen» und einen «Männerchor von drei Stimmen» führt Dushe in diesem «dichten Birkenwald» zusammen,...
Für einen Theaterabend, der auf Schuberts «Winterreise» basierte, filmte der Theater- und Filmregisseur Kornél Mundruczo im Herbst 2013 sechs Tage lang im ungarischen Flüchtlingslager Bicske. Er bat die Geflüchteten – Menschen aus Afghanistan und Syrien –, auf eine neutrale, unemotionale Art und Weise ihre täglichen Routinen nachzustellen: Schlafen, Essen, Trinken,...
Pläne der Redaktion
Aktuelle Entwicklungen im chinesischen Theater: Wie verbindet man das Alte mit dem Neuen? Beobachtungen von Hans-Thies Lehmann.
Elisabeth Orth wollte nicht mit dem Namen Hörbiger Karriere machen und nahm den Familiennamen ihrer Großmutter mütterlicherseits an. Es hat dann auch so geklappt mit der Karriere: ein Porträt.
Das neue Stück von Wolfram...
