Salzburg Landestheater (ORF-Landesstudio): Neueste Nachrichten von 1976

Lee Hall nach Paddy Chayefsky «Network» (DSE)

Theater heute - Logo

Dass der prominente englische Dramatiker und Drehbuchautor Lee Hall («The Pitmen Painters», «Billy Elliot») als Autor des Stücks «Network» firmiert, mutet seltsam an. Hall hat Sidney Lumets Film aus dem Jahr 1976 bloß für die Bühne adap­tiert, ohne am Oscar-prämierten Drehbuch von Paddy Chayefsky groß etwas zu ändern. Zumindest in unseren Breiten wäre das ein Fall für die Dramaturgie und nicht für die Autorenzeile.

Sei’s drum, «Network» funktioniert jedenfalls auch als Bühnenstück; Ivo van Hoves Uraufführungsproduktion – mit Bryan Cranston in der Hauptrolle – war am Londoner National Theatre (siehe TH 10/18) ebenso erfolgreich wie später am Broadway. In dieser Spielzeit ist das Stück nun im deutschen Sprachraum angekommen, wo es an mehreren Bühnen angesetzt ist. Die deutschsprachige Erstaufführung war ursprünglich an das Thalia Theater vergeben (s. S. 18f in diesem Heft), aufgrund einer Corona-bedingten Verschiebung war dann aber Salzburg früher dran.

«Network» handelt vom fiktiven amerikanischen Fernsehsender UBS und ist eine Mediensatire, die auch mehr als 40 Jahre später erstaunlich aktuell ist; beziehungsweise war Chayefskys Drehbuch so visionär, dass manches, was damals noch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Wolfgang Kralicek

Weitere Beiträge
Berlin Maxim Gorki Theater: Fragen über Fragen

Das Tal des Todesschattens, der über diesem Abend im Gorki Theater liegt, ist blendend weiß. Vier alarmbewehrte Stufen führen zum Spielfeld, das ein Vorfeld ist. Dahinter, versteckt hinter weißen Schnüren, liegt verschwommen eine Intensivstation, aus der Beatmungsgeräusche dringen (Bühne: Magda Willi). Wir sind im aero­solgesicherten Corona-Theater, und sein Hüter...

Zürich Schauspielhaus, Pfauen: In Psychoschluchten nach Moshfegh

Winterschlaf. Nicht die dümmste Option in Tagen wie diesen, in denen eine Pandemie und ein US-Präsident das kollektive Bewusstsein trüben wie Nebel den Zürichsee. Nur: Genau genommen braucht die Ich-Erzählerin in Ottessa Moshfeghs Roman keinen äußeren Anlass für die totale Auszeit. Es reicht völlig, dass endlich nichts mehr an ihr gezupft, gewachst, gebleicht,...

Messianischer Moralismus

Etwa auf der Hälfte dieses Interviewbandes steht ein Fragebogen des Dramatikers Moritz Rinke, dessen sportliche Herausforderung Christoph Schlingensief ungewohnt bündig und lakonisch angeht. «Wie würden Sie gern in Erinnerung bleiben?», steht dort als zweiundzwanzigste und letzte Frage. Schlingensief: «In schlechter …»

Dieser Wunsch, so er denn einer war, hat sich...