Mannheim Nationaltheater: Die Würde würde gern ...
Vor einem Jahr sagte Björn Bicker anlässlich der Bochumer Uraufführung seiner «Lehrer*innen» in einem Interview: «Ich führe Gespräche, besuche Schulen und Unterrichtsstunden. Ich sammle Material. Und aus dem Material wird sich eine literarische Form ergeben: eine Klage, ein Liebeslied, ein Chor, ein Manifest, eine Farce – oder alles zusammen.
» Jetzt, da Bickers «Lehrer*innen» am Mannheimer Nationaltheater nachgespielt wurde, sollte man darauf verweisen, dass der Theaterabend zwar auf recherchiertem Material beruht, auf keinen Fall aber dokumentarisches Theater sein will, sondern der Versuch, eine gesellschaftspolitische Problemzone unter Zuhilfenahme von tatsächlichen Geschichten aus dem Berufsalltag zu verhandeln. Fiktional, oder wenn man so will: literarisch.
Dass die Lehrer*innen schon längst nicht mehr gemeinsam mit dem Bürgermeister, Arzt und Großgrundbesitzer am Stammtisch sitzen, ist kaum zu bestreiten. Die Frage wäre nur, wohin hat es sie denn verschlagen: Genau dorthin, wo Schuldige gesucht werden, in eine pädagogische Sahelzone oder in ein Haifischbecken, in dem Schüler*innen, Eltern und die Schulaufsicht auf das nächste Menschenopfer warten. Eine Antwort gibt das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Jürgen Berger
I was thinking, what could I do to give something back to this wonderful city and the wonderful people here?», leitet die Performancekünstlerin Annie Sprinkle den wohl spektakulärsten Teil ihrer legendären Performance «Post Porn Modernist» ein. «I thought maybe I could show you all my cervix. It’s a lot of fun and I think you’d all enjoy it. Would you like to see...
Als die Mauer fiel, musste er erst mal Schlange stehen: Heiner Müller war auf dem Sprung nach New York, plötzlich musste er sich hinten anstellen. Das Ende der DDR bedeutete für ihn zunächst das Ende der Privilegien. Schon 1975 war er zum ersten Mal in die USA gereist. Er blieb mehrere Monate, überzog sein Visum. Niemand rechnete mehr mit seiner Rückkehr, Ruth...
Das Tal des Todesschattens, der über diesem Abend im Gorki Theater liegt, ist blendend weiß. Vier alarmbewehrte Stufen führen zum Spielfeld, das ein Vorfeld ist. Dahinter, versteckt hinter weißen Schnüren, liegt verschwommen eine Intensivstation, aus der Beatmungsgeräusche dringen (Bühne: Magda Willi). Wir sind im aerosolgesicherten Corona-Theater, und sein Hüter...
