Ruhm und Arbeit
Im Grunde ist das Theater Meiningen ein klassizistisches Resultat von deutscher Kleinstaaterei und Geltungssucht. Das Große Haus, 2010 komplett saniert, mit seinen sechs prunkvollen ionischen Säu -len, gelegen in einem Park mit originalen Fake-Ruinen, ist eigentlich viel zu groß für die 25.000-Einwohner-Stadt im Thüringer Wald. Weitab von jeder Metropole hat «Theaterherzog» Georg II. von Sachsen-Meiningen hier Theatergeschichte geschrieben. Denn seine Meininger, die vor allem auf Tourneen durch Europa reisten, waren schon bald das Aushängeschild.
Selbst Stanislawski lobte ihren realistischen Stil überschwänglich.
Der Ruhm ist geblieben, doch muss eine heutige Relevanz hart erarbeitet werden. Das weiß auch Jens Neundorff von Enzberg, seit letzter Spielzeit Generalintendant und Operndirektor des Hauses und zuvor Intendant in Regensburg. Die Schauspielsparte leitet Frank Behnke, ehemaliger Chefdramaturg in Münster. Der Intendant kennt das Haus schon aus den wilden 1990ern, als er unter Ulrich Burkhardt Dramaturg am Haus war. Meiningen war 1997 zudem die erste Theaterstiftung im Osten. Diese heißt mittlerweile Kulturstiftung Meiningen-Eisenach, und der Intendant leitet beide Theater. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2023
Rubrik: Start Meiningen, Seite 34
von Torben Ibs
Eine Revue will sie machen, bloß kein Drama: Ein Drama, sagt die Tänzerin Fernanda Farah auf der Berliner Volksbühne, handelt immer von Family Business. Hamlet mag Claudius nicht, weil dieser Papa getötet und Mama geheiratet hat. Antigone will ihren Bruder begraben, der Onkel will es nicht. Schon bringen sich alle um. Was Antike und Klassik in die Welt gesetzt...
Die Tür klemmt, fliegt dann mit einem Ruck auf, ein Knäuel Personen poltert in die leere Altbauwohnung, die Letzte bleibt mit ihrer Handtasche am Türknauf hängen. Huch! In der ersten Sekunde ist eigentlich alles klar über diesen Abend, «Der Haken», uraufgeführt am Schauspiel Bonn in der Regie von Roland Riebeling: Schauspielerisch sind alle ständig etwas drüber,...
Wenn Menschen Kinder kriegen, werden sie zu Schriftstellern. Kinder mögen es, wenn man ihnen beim Zubettgehen eine Geschichte erzählt, oft verlangen sie sogar danach. Bei den Geschichten, die sich Mütter und Väter im Kinderzimmer so ausdenken, handelt es sich in der Regel um Gebrauchsliteratur ohne besondere ästhetische Ansprüche und mit klar definiertem Zweck:...
