Practice what you preach?
Bitte nicht schon wieder politisches Theater, das wird die Welt nicht verbessern», meckert die grazile alte Dame in der ersten Reihe. Es ist Geraldine Chaplin, und es ist die Crème de la crème der römischen Upperclass, die sich auf Senecas Landsitz eingefunden hat, um unter freiem Himmel einer Exklusivvorstellung seines Dramas «Thyestes» beizuwohnen, der Splattertragödie um das Brüderpaar Atreus und Thyestes, in dem die Rache des gehörnten Atreus so weit geht, dass er seinem Bruder die eigenen geschlachteten Söhne beim Festmahl einverleibt.
Bei Seneca erfährt das Publikum die wildesten Gräuel nur im Botenbericht; Ersan Mondtag, den sich Filmregisseur Robert Schwentke fürs Theater im Film dazu geholt hat, lässt die blutige Ermordung und Enthauptung der Söhne durch Atreus Samuel Finzi lustvoll ausspielen. Wenn schon Schockmoral statt Katharsis, dann auch richtig!
Seneca in einfacher Sprache
Robert Schwentke ist kein Mann der indirekten Töne. Fürs deutsche Kino (das bei der diesjährigen Berlinale mit immerhin fünf deutschen Filmen, überwiegend Berliner Schule, im Wettbewerb aufwartete): eine Rampensau. Die Berlinale zeigte «Seneca» in der Sektion Special, und special ist Schwentke. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute März 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Barbara Burckhardt
Was für eine Wiederentdeckung! Hans Henny Jahnns letztes Theaterstück «Der staubige Regenbogen» strotzt nur so vor dystopischen Visionen und visionären Motiven: Es geht um die menschliche Fähigkeit, sich durch Wissenschaft und nukleare Technik selbst auszulöschen, um Fortschritt durch Kolonialismus und Krieg, um medizinische Experimente und künstliche Intelligenz;...
Eine Revue will sie machen, bloß kein Drama: Ein Drama, sagt die Tänzerin Fernanda Farah auf der Berliner Volksbühne, handelt immer von Family Business. Hamlet mag Claudius nicht, weil dieser Papa getötet und Mama geheiratet hat. Antigone will ihren Bruder begraben, der Onkel will es nicht. Schon bringen sich alle um. Was Antike und Klassik in die Welt gesetzt...
AACHEN, GRENZLANDTHEATER
15. Schiller, Kabale und Liebe
R. Catharina Fillers
AACHEN, THEATER
2. nach Hesse, Der Steppenwolf
R. Lilli-Hannah Hoepner
10. Schmalz, dosenfleisch
R. Sebastian Martin
11. Shakespeare, Was ihr wollt
R. Christina Rast
ALTENBURG/GERA, THEATER
10. nach Böll, Die verlorene Ehre der Katharina Blum oder Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen...
