Rückkehr der Angst
Ich bemerke, dass sich eine Menge bewegt und verändert in den Theatertankern des deutschen Stadttheaters. Institutionell und künstlerisch.
Themen, die lange keine Rolle spielten, ebenso wie neue, alternative Beschreibungen von Geschichte und Gesellschaftsverhältnissen bestimmen die Spielpläne der Stadttheater genauso wie die Werbeplakate der Industrie. Menschen, die bisher nicht sichtbar waren oder die kaum eine Stimme hatten, besetzen jetzt Machtpositionen und bisher fast unerreichbare Posten.
So nehme ich diese Veränderung auch zum größten Teil wahr, als Umverteilungsbewegung und Machtkampf. Die Menschen, die da jetzt aus dem bisher Ungesehenen in Erscheinung treten, tragen eine große Euphorie mit sich. Diese Freude überträgt sich auf mich, und ich genieße es, dass sich zumindest einige und vor allem immer mehr Stadttheater im Erscheinungsbild so anfühlen, wie die angenehmsten Viertel der schönsten deutschen Großstädte – bunt und interessant und eigen und sehr schön. Ist das jetzt besser oder gerechter als vorher? Nö, anders ist es. Wo bei begrenztem Platzangebot Neues hervortritt, muss anderes weichen, wo neue Leute engagiert werden, müssen andere zum Arbeitsamt, und die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Transformation, Seite 61
von Sebastian Rudolph
Als ich an diesem zukünftigen Abend ins Theater ging, fiel mir zuerst eine Gruppe auf, die sich vor dem Theater austauschte. Sie waren alt und jung, sprachen angeregt und respektvoll miteinander. Aus Gesprächsfetzen nahm ich wahr, dass es sich teils um dem Theaterbetrieb zugehörige Personen einer Künstlerischen Leitungsgruppe handelte, teils um außenstehende...
und dort wo die seelenplatten sein sollten ist eine ausgebrannte vernarbte landschaft
Thomas Köck
Wir befinden uns inmitten einer Woge von Solastalgie. Tag für Tag verstärkt sich der dystopische Eindruck einer verschwindenden Natur. Solastalgie bezeichnet den Schmerz, den man erlebt im Augenblick der Erkenntnis, dass der Raum, den man bewohnt, angegriffen wird,...
Magdalena Schrefel hat in ihrem neuen Schauspiel einen ganz und gar sonderbaren Ort erfunden: eine rätselhafte Institution, in der das vielleicht Flüchtigste überhaupt aufbewahrt, katalogisiert, beschlagwortet und in eine konsistente Ordnung gebracht werden soll – ein Archiv der Tränen. Einem ersten Impuls folgend möchte man wohl von einer gleich doppelten...
