Roman: Versöhnung mit dem Gewöhnlichen
Schorsch Kameruns Roman-Debüt «Die Jugend ist die schönste Zeit des Lebens» erzählt das unabgeschlossene Erwachsenwerden von Horsti, der sich «Tommi from Germany» nennt – und dessen Leben nahezu identisch mit dem ist, was man über den Sänger der «Goldenen Zitronen» und Theaterregisseur weiß. Und zwar so identisch, dass man dem Biografie-Pseudonym «Roman» den gleichen Grad der Verrätselung zugesteht wie dem Ortsnamen «Bimmelsdorfer Strand», mit dem das Ostseebad Timmendorfer Strand «unkenntlich» gemacht wurde. Dort wurde Schorsch Kamerun 1963 als Thomas Sehl geboren.
Aufwachsen in dieser «klaustrophobischen Windstille», bedeutete für jeden Jugendlichen, der sensibel für das Repressive der Provinz war, eher ein dauerndes Deckeln. In Kameruns Worten liest sich das Vorbildhafte seiner schleswig-holsteinischen Randlage so: «Die angebotene Mische der sich weiter knüppelhagel spätpreußisch aufführenden, in weiten Teilen starrgeistigen, autoritären Gesellschaft, die sich nur in frivolen, beschwipsten Bürgerspäßen auflockerte, war als Orientierungsbild insgesamt super unattraktiv.»
Das Schlüsselwort für Kameruns Roman-Biografie steckt bereits in diesem frühen Satz. Die «schönste Zeit des ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Till Briegleb
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Ein Schulkamerad steckt dem jungen Marcel in Prousts «Suche nach der verlorenen Zeit» mal einen Vers. Racine, sagt dieser Bloch, habe einen Alexandriner geschrieben, der rhythmisch ziemlich gut sei, aber darüber hinaus noch den viel größeren Vorzug besitze, dass er absolut nichts aussage. Und wie lautet dieser Vers? «La fille de Minos et de Pasiphaé» – die Tochter...
