Remember me
Die diesjährigen Theaterformen beginnen mit einer russisch-lettischen Konterrevolution, und auch die Schauspiel-Inszenierungen stellen eine ziemlich radikale Kehrtwende dar. Da haben wir uns jahrelang mit den Theaterformen der scheidenden Festspielleiterin Anja Dirks auf Audio-Walks und rudimentäre Theaterbühnen im öffentlichen Raum begeben, haben verlassene Expo-Pavillons erklommen und in Schaufenstern gesessen, um jetzt mit «Dunkle Alleen» einen Schauspielabend zu entdecken, der so klassisches Schauspieler-Theater zeigt, dass es fast schon wieder eine Provokation darstellt.
Geschichten über die Liebe hat der russische Nobelpreisträger Ivan Bunin geschrieben, Geschichten, die ziemlich eindeutig in einem vorrevolutionären Russland verortet sind, in dem Klassenschranken noch etwas ausmachten und bei einem Skandal nur die schnelle Flucht nach Moskau half. Wenn hier der Adelige im strömenden Regen das Dienstmädchen nimmt, spielt der lettische Regiestar Vladislavs Nastavševs auf der ansonsten komplett leeren Studiobühne Regen ein, wenn der verlassene Liebhaber seine Geliebte erschießt, muss die Tote von Bühnenarbeitern ins Off geschleppt werden. Mehr Bühnen-Realimus war selten als in ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute August-September 2014
Rubrik: Magazin: Festival, Seite 75
von Alexander Kohlmann
30 Prozent», erzählt Günther Beelitz im Juni 2014. Dies sei der aktuellste Stand der Zuschauerauslastung im Großen Haus des Düsseldorfer Schauspielhauses, mit 750 Plätzen eines der größeren Sprechtheater der Bundesrepublik. Bei seiner Spielzeitpressekonferenz im Mai waren es noch 41 Prozent, aber die Talfahrt geht weiter. «Es war ein Himmelfahrtskommando, das zu...
Ein sachliches Hoch auf die Faulheit! Müßiggang, erklärt SAP-Mitarbeiterin Corinna Bornhorst, sei beim global playenden Softwareentwickler längst zur Primärtugend geworden. Leistungsdenken und Effizienzzwänge hätten sich als Holzwege erwiesen, umso konsequenter bemühe sich das Unternehmen darum, das Leben der Mitarbeiter zu entschleunigen und die nur noch...
Genet wusste sehr genau zu unterscheiden. Er sei «ein Mann der Revolte», gab er Hubert Fichte 1976, zehn Jahre vor seinem Tod, zu Protokoll, keineswegs der Revolution. «Wenn eine wirkliche Revolution stattfände, könnte ich nicht dagegen sein. (...) Ich möchte, dass die Welt sich nicht verändert, damit ich mir erlauben kann, gegen die Welt zu sein.» Er hätte auch...
