Rache ist süß!

Das Zusammenleben verschiedener Kulturen auf Berliner Bühnen: Bei Frank Castorf, Armin Petras, Jette Steckel, Yael Ronen und Volker Ludwig lassen sich neben Fatalismus und Resignation auch Fallbeispiele studieren, die hoffen lassen

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Er hatte sich mal wieder gründlich und vermutlich genussvoll im Ton vergriffen, Berlins Lieblings-Buhmann.

Als Ex-Finanzsenator Thilo Sarrazin im Oktoberheft von «Lettre international» Berlin eine düstere Zukunft prognos­tizierte, wenn die Stadt sich nicht schnell und rabiat der Integrationsprobleme insbesondere türkischer und arabischer Zuwanderer  annehme, hatte er sich einem Themenkreis zugewandt, der in dieser Spielzeithälfte auch auf den Bühnen der Stadt unübersehbar die Hauptrolle spielt: Wie kommt das Fremde ins Vertraute? 
 

Wo Sarrazins klischeesatte Status-quo-Beschreibung Integration erzwingen will und die dafür nötigen Anstrengungen einfordert, konnte man sich in den Hauptstadttheatern Fallbeispiele des miss- wie des gelingenden Miteinanders quer durch Zeiten und Räume anschauen: von Shakespeares (auch sich selbst zerfleischenden) Außenseitern Shylock und Othello in Venedig über Yael Ronens dritte Generation der Unverträglichkeiten im Gaza-Streifen bis zur Berliner Multikulti-Vision im Grips Theater. Und dass auch Deutsche mal Migranten waren, erzählt in der Volksbühne Frank Castorf. Er erwischt sie im Transit, auf dem «Ozean».
 

Aufbruch Volksbühne?

Dass er sich selbst ...

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Theater heute Januar 2010
Rubrik: Aufführungen, Seite 28
von Barbara Burckhardt

Vergriffen
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Einstürzende Altbauten

Als das Schiller-Theater in Berlin 1993 geschlossen wurde, da hatte das noch irgend­wie Stil. Da waren Empörung und Pro­test bundesweit: Da ging es darum, dass wegen fehlender oder falsch verteilter schnöder Finanzen ein traditionsreiches Haus und die Hochkultur überhaupt geschleift wurde. 
 

Heute ist das anders. Dabei geht es nicht um ein einziges, es geht um eine...

Auf Probe

I.

Regisseur zum Schauspieler Fang bitte mal an.

Schauspieler spricht einen halben Satz

Regisseur unterbricht ihn Ne, ne, ne. Du musst da ein Komma denken, immer auf Komma denken, Komma denken, du sprichst da nen Punkt, da steht aber kein Punkt, da steht ein Komma, das ist falsch, da auf Punkt zu spielen, da steht n Komma!

Schauspieler spricht weiter

Regisseur...

An der Wand

An was ich mich an meisten erinnere, wenn wir «Onkel Wanja» spielen, das sind die Wiederaufnahmeproben vor genau einem Jahr im Haus der Berliner Festspiele. Über ein halbes Jahr hatten wir das Stück nicht gespielt, Gosch hatte gerade «Die Möwe» herausgebracht, und sein Gesundheits­zustand war deutlich schlechter geworden. Mein Respekt, wieder vor seinen Augen zu...