Plädoyer für eine neue Linke
Es ist unmodern geworden, politische Eingriffe und Perspektiven noch anhand der klassischen Lagerbestimmungen vorzunehmen. Andererseits sind sich alle einig, dass die vielen skandalösen Politiker und Bewegungen, die in den letzten Monaten und Jahren Macht erworben haben, alle eines eint: Sie sind Rechte. Und sie hatten Erfolg, weil sie linke Themen umdeuten konnten.
Mir ist klar, dass der folgende Entwurf eines Einspruchs gegen den vorauseilenden Gehorsam, die Idee der Linken mit ihren aktuellen Niederlagen gleich mit zu verschrotten, skizzenhaft ist und zum Teil wiederholt, was wir seit den frühen 1990ern diskutieren. Aber ein nicht unwichtiger Grund für den aktuellen Erfolg der Rechten ist, dass man selbstverständlicher Reaktionen wie der Skandalisierung von Rassismus mit der Zeit müde wird und keine Lust hat, immer wieder dasselbe zu denken und zu formulieren. Daher also nochmal: rechts und links.
Seit dem globalen Triumph der Rechten fragen sich die Linken, was sie tun sollen. Zwei Antworten scheinen sich dabei durchzusetzen, die beide falsch sind. Die eine lautet, man muss von den Rechten lernen, die andere, es gibt kein rechts und links mehr. Zur ersten gehören all ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Konflikte, Seite 58
von Diedrich Diederichsen
LI-LA-Leitkultur. Was soll das überhaupt sein: leit-en = anführen; oder meinen wir weiter-leiten, also meine Vorstellung von Kultur an den «anderen» weiterleiten, oder die Kultur auf einer Leiter hoch oben postieren? Fangen wir doch mit dem ursprünglichen Gedanken von Bassam Tibi an: Anstand und Respekt. Abgrenzungsfragen ausgeschlossen.
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Anta Helena Reckes «Mittelreich» – die Wiederholung der Inszenierung einer weißen Regisseurin mit einer weißen Besetzung durch eine schwarze Regisseurin mit einer schwarzen Besetzung – berührt mich und meine Theorie als Theaterwissenschaftlerin, meine Praxis als Dramaturgin und meinen Alltag als schwarze deutsche Frau im deutschen Theaterbetrieb auf vielen Ebenen:...
Victory Condition» beginnt mit einem freundlichen «Hallo». Ein Mann spricht mich an, erzählt, was er weiß über mich, über mein Leben mit geliebten Menschen, über Glücksmomente und plötzlich einbrechenden Schrecken, über meine Ängste und mein Vertrauen. Der Mann kennt mich, denn er ist wie ich.
Nein, er spricht nicht mit mir. Der Mann ist ein Sniper und liegt...
