Talent zum Privileg
Anta Helena Reckes «Mittelreich» – die Wiederholung der Inszenierung einer weißen Regisseurin mit einer weißen Besetzung durch eine schwarze Regisseurin mit einer schwarzen Besetzung – berührt mich und meine Theorie als Theaterwissenschaftlerin, meine Praxis als Dramaturgin und meinen Alltag als schwarze deutsche Frau im deutschen Theaterbetrieb auf vielen Ebenen: Zum einen habe ich vor einiger Zeit ein theaterwissenschaftliches Buch geschrieben, das auf meiner Doktorarbeit basiert und den Titel «Ästhetik der Wiederholung» trägt.
Ich habe mich also viele Jahre mit ganz unterschiedlichen Formen der Wiederholung, der Verdopplung, der Kopie, des Zitats, der Aneignung und des Reenactments in der Bildenden Kunst und insbesondere in der Aufführung beschäftigt. Zum anderen habe ich in den letzten Jahren Verfahren der theatralen Repräsentation – also der Stellvertretung und Darstellung – des vermeintlich Anderen untersucht und in diesem Rahmen verstärkt postkoloniale Theoriebildung und Denkfiguren der kritischen Weißseinsforschung in meine theaterwissenschaftliche Arbeit einbezogen.
So habe ich mich im Zuge der sogenannten Blackfacing-Debatte, aber auch darüber hinaus damit ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Konflikte, Seite 48
von Joy Kristin Kalu
TH «Am Königsweg» ist, wenn wir richtig rechnen, Ihre erste Inszenierung eines Stücks von Elfriede Jelinek?
Falk Richter Nicht ganz. Ich habe vor zehn Jahren am Wiener Akademietheater «Ernst ist das Leben» inszeniert, eine Überschreibung von «Bunbury». Aber das war natürlich kein typischer Jelinek-Text. Da gab es noch Figuren, Dialoge, entliehen von Oscar Wilde. ...
Das Theater kann in der aktuellen Wertedebatte um die Begriffe «Heimat» und «Integration» eine besondere Stellung einnehmen. Es kann Haltung beziehen in seiner programmatischen Themensetzung, aber auch soziale Praktiken in seiner eigenen Arbeitsweise vorstellen.
Schon lange fühlen sich nicht alle Bevölkerungsschichten ins Theater geladen, das ist aber nicht erst...
Momentum bezeichnet in der Physik die Bewegung eines Körpers, dessen Schwung nur mit einem größeren Kraftaufwand gestoppt werden kann. Momentum zu haben bedeutet aber auch, ein Zeitfenster richtig einzuschätzen, den geeigneten Augenblick nicht zu verpassen. Als Metapher schließlich bezeichnet Momentum die Dynamik, die sich gerade für oder gegen eine Idee, eine...
