Talent zum Privileg

Wie Wiederholung als Kunstpraxis, kulturelle Aneignung und struktureller Rassismus zusammenhängen

Theater heute - Logo

Anta Helena Reckes «Mittelreich» – die Wiederholung der Inszenierung einer weißen Regisseurin mit einer weißen Besetzung durch eine schwarze Regisseurin mit einer schwarzen Besetzung – berührt mich und meine Theorie als Theaterwissenschaftlerin, meine Praxis als Dramaturgin und meinen Alltag als schwarze deutsche Frau im deutschen Theaterbetrieb auf vielen Ebenen: Zum einen habe ich vor einiger Zeit ein theaterwissenschaftliches Buch geschrieben, das auf meiner Doktorarbeit basiert und den Titel «Ästhetik der Wiederholung» trägt.

Ich habe mich also viele Jahre mit ganz unterschiedlichen Formen der Wiederholung, der Verdopplung, der Kopie, des Zitats, der Aneignung und des Reenactments in der Bildenden Kunst und insbesondere in der Aufführung beschäftigt. Zum anderen habe ich in den letzten Jahren Verfahren der theatralen Repräsentation – also der Stellvertretung und Darstellung – des vermeintlich Anderen untersucht und in diesem Rahmen verstärkt postkoloniale Theoriebildung und Denkfiguren der kritischen Weißseinsforschung in meine theaterwissenschaftliche Arbeit einbezogen. 

So habe ich mich im Zuge der sogenannten Blackfacing-Debatte, aber auch darüber hinaus damit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Neue Konflikte, Seite 48
von Joy Kristin Kalu

Weitere Beiträge
Plädoyer für eine neue Linke

Es ist unmodern geworden, politische Eingriffe und Perspektiven noch anhand der klassischen Lagerbestimmungen vorzunehmen. Andererseits sind sich alle einig, dass die vielen skandalösen Politiker und Bewegungen, die in den letzten Monaten und Jahren Macht erworben haben, alle eines eint: Sie sind Rechte. Und sie hatten Erfolg, weil sie linke Themen umdeuten...

Unter Druck

Trump, Brexit, Le Pen und Co. sei Dank – endlich sieht man ein bisschen klarer! Die heftigen Veränderungen in den westlichen Demokratien sind auf oder gerade noch kurz vor den Regierungsbänken angekommen und machen deutlich, was sich zum Teil seit Jahrzehnten anbahnt. Nicht zuletzt Elfriede Jelinek bündelt die Phänomene in ihrem Stück des Jahres wieder einmal...

Der Geist der Macht

In einer möglichen Zukunft: Sieben Expeditionsteilnehmer*innen durchstreifen das längst verlassene Gebiet der alten Bundesrepublik und suchen in den Ruinen einer versunkenen Zeit nach Schätzen. In der alten Hauptstadt Bonn, am ehemaligen Kanzlerbungalow, wird die Routine der Expedition plötzlich gestört. 

Eine dunkle Energie beeinflusst das Verhalten der...