Ordnung ist alles
Wer hätte vor wenigen Jahrzehnten gedacht, dass die westlichen Demokratien sich bald von innen auszuhöhlen beginnen? Dass rechte Bewegungen einen bedenklichen Zuwachs bekommen? Dass Gestalten nach oben geschwemmt werden, die auf Wahlergebnisse und zivile Umgangsformen pfeifen? Dabei wurde nach dem Fall der Mauer bereits das Ende der Geschichte ausgerufen – was nicht bedeuten sollte, dass nichts Neues mehr geschieht unter der Sonne und nichts mehr besser gemacht werden könnte.
Es sollte bedeuten, dass es zur Demokratie keine attraktive Alternative gibt und nun auch die östliche Hemisphäre kapiert hat, dass Wohlstand nur in Freiheit gedeiht.
Inzwischen ist das Ende der Geschichte wieder ferner gerückt. Nicht nur China führt vor, dass Wohlstand auch in autoritären Verhältnissen gedeiht und globaler Aufstieg nichts mit Menschenrechten zu tun hat. Nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens glaubte so mancher im Westen, auf Dauer lasse sich die dortige Demokratie -bewegung nicht aufhalten. Das Gegenteil hat sich bewahrheitet. An chinesischen Universitäten stehen seither westliche Denker im Zentrum, die sich durch eine resolute Liberalismusfeindschaft auszeichnen, allen ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Risiko, Seite 24
von Karl-Heinz Ott
Wie anfangen? Wie anfangen, wenn die Angst, mit dem ersten Wort nicht gleich das richtige Wort zu finden, das Anfangen schwermacht? Was sagen, jetzt, da man einmal den Raum hat, sprechen zu dürfen und alle Scheinwerfer auf einen gerichtet sind? Wie ein neues Stück eröffnen, wenn man gerade ein äußerst erfolgreiches Debüt vorgelegt hat, das auch noch mit einem der...
Wenn ich mich zu diesen Themen als Schauspielerin an einer Staatlichen Bühne äußern soll, komme ich mir eher wie eine Soziologin vor, die sich ihrer eigenen Herkunft, ihres Alters und Geschlechts, ihrer Privilegien in hohem Maße bewusst sein muss! In diesem Sinne hoffe ich, mich möglichst präzise auszudrücken.
Im Kern hat der Großteil der sogenannten...
Natürlich hat sich, seit ich vor fünfzehn Jahren angefangen habe, am Theater zu arbeiten, einiges im Bezug auf Machtstrukturen verändert. Die lautstarken öffentlichen Diskurse der letzten wenigen Jahre um Machtmissbrauch und auch die damit verbundenen personellen Konsequenzen – wenn es denn welche gab – haben zu einem überlegteren Umgangston am Theater geführt. Es...
