Digitales Rudelverhalten

Die Theater verlieren Zuschauer:innen. Die pandemischen Gründe sind das eine, einige davon werden ver- schwinden. Das andere: die bislang übersehene Rolle der Algorithmen beim Publikumsschwund, die sich eher verschärft als beruhigt. Eine These, drei Stichproben Von Tobi Müller

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Als wäre ein Druckventil geplatzt, sprach man im Frühling der Öffnung 2022 so viel über das Publikum wie seit Jahren nicht mehr. Der Beginn der Pandemie, die erste Schließungswelle, die zweite, noch längere: Das Theater war, durchaus begreiflich, zwei Jahre lang mit sich selbst beschäftigt. In dieser Zeit gerieten die Mindestgagen für junge Künstler:innen in den Fokus, und sogar die Soloselbstständigen erhielten mehr Gehör. Viele Stadttheater dachten konkret über Machtmissbrauch nach und allgemein über flachere Führungskulturen – mal frei- und mal widerwillig.

Und wer über Digitaltheater sprach, redete über angemessene künstlerische Formen, fast noch lieber über Ressourcen und Stellenpläne, denn jede deutsche Revolution denkt rechtzeitig an das Regelwerk. Wer als einzige Größe erstmals keine Rolle spielte: das Publikum. 

Prozentuale Auslastungen in den mittleren Fünfzigern sind nun keine Einzelfälle. Es handelt sich um ein strukturelles Problem und beschreibt Größeres als eine Premiere von Regisseur Christopher Rüping im Hamburger Thalia Theater, die nicht ausverkauft war. Rüpings Social-Media-Affinität, sein Standing und seine Beliebtheit bei Journalist: -innen (er redet flüssig ...

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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Risiko, Seite 40
von Tobi Müller

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