Nüchtern ins Vage kalkulierend
Wenn es sich alle Theater so leicht machen könnten wie das in Ingolstadt! Dort entschied man sich, als langsam klar wurde, dass Corona die ganzen fertigen Planungen für die nächste Saison zunichte machen würde, für einen radikalen Schnitt: «Wir haben unseren Spielplan 2020/2021 um ein Jahr verschoben, da dies ein wunderbarer Spielplan ist, wir aber nicht damit rechnen, dass wir ihn wie geplant umsetzen können werden. Für die neue Spielzeit werden wir stattdessen einen ganz neuen Spielplan erfinden, der die neuen Regeln und Vorgaben beachtet, die die Corona-Krise mit sich bringt.
Das Ganze müssen wir sehr improvisatorisch angehen, was aber auch sehr reizvoll und eine Chance für neue Formate sein kann.»
Davon überzeugt, dass ihr ausgearbeitetes Programm ein ganz «wunderbares» ist, waren in diesem Frühjahr sicherlich alle deutschsprachigen Theater. Umso brutaler trafen sie die anfangs eher zaghaft eintröpfelnden neuen Verhaltens- und Abstandsregelungen, schließlich das Verdikt, die Häuser ganz zu schließen bis mindestens zum Ende der laufenden Spielzeit. Das hieß: keine Vorstellungen und auch keine Proben, die notwendig gewesen wären, um neue Stücke für die Zeit nach der regulären ...
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Theater heute Juli 2020
Rubrik: Szene Corona, Seite 10
von Bernd Noack
Patricia Benecke Wie hat’s bei Ihnen angefangen, was ist Ihre erste Theatererinnerung?
Michael Billington Meine erste wichtige Erinnerung ist, wie meine Eltern mich 1948 zu Shakespeares «Troilus und Cressida» in Stratford-upon-Avon mitgenommen haben. Eine kuriose Entscheidung, denn ich war erst acht Jahre alt und in dem Stück, einer Art zynischer «Ilias», geht es...
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Der Titel macht keine Umstände: Eine «Spielplanänderung» wird verlangt, und zwar mit Ausrufezeichen. Im Untertitel dann gleich die nächste starke Behauptung: «30 Stücke, die das Theater heute braucht». Hier geht es nicht darum, was das Theater spielen sollte oder was ihm helfen würde, hier wird gebraucht. Simon Strauß, der Herausgeber dieser kleinen...
