Nüchtern ins Vage kalkulierend
Wenn es sich alle Theater so leicht machen könnten wie das in Ingolstadt! Dort entschied man sich, als langsam klar wurde, dass Corona die ganzen fertigen Planungen für die nächste Saison zunichte machen würde, für einen radikalen Schnitt: «Wir haben unseren Spielplan 2020/2021 um ein Jahr verschoben, da dies ein wunderbarer Spielplan ist, wir aber nicht damit rechnen, dass wir ihn wie geplant umsetzen können werden. Für die neue Spielzeit werden wir stattdessen einen ganz neuen Spielplan erfinden, der die neuen Regeln und Vorgaben beachtet, die die Corona-Krise mit sich bringt.
Das Ganze müssen wir sehr improvisatorisch angehen, was aber auch sehr reizvoll und eine Chance für neue Formate sein kann.»
Davon überzeugt, dass ihr ausgearbeitetes Programm ein ganz «wunderbares» ist, waren in diesem Frühjahr sicherlich alle deutschsprachigen Theater. Umso brutaler trafen sie die anfangs eher zaghaft eintröpfelnden neuen Verhaltens- und Abstandsregelungen, schließlich das Verdikt, die Häuser ganz zu schließen bis mindestens zum Ende der laufenden Spielzeit. Das hieß: keine Vorstellungen und auch keine Proben, die notwendig gewesen wären, um neue Stücke für die Zeit nach der regulären ...
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Theater heute Juli 2020
Rubrik: Szene Corona, Seite 10
von Bernd Noack
Zwei Kinder in einem dunklen, schmutzigen Schacht, umgeben von Leichen. Sie reden über das, was sie jetzt am liebsten hätten. Dem Jungen fallen jede Menge Leckereien ein, Hotdogs, Grillhähnchen, Wachteleier; das Mädchen wünscht sich – ein kühles Bier.
Und schon verdunkelt sich der Himmel, und am Schachteingang erscheint der fürchterliche Kopf des Fischmonsters,...
Verena Großkreutz Herr Kosminski, wie haben Sie während des Corona-Shutdowns Kontakt gehalten zum Publikum?
Burkhard C. Kosminski Wir sind mit digitalen Angeboten online gegangen. Allerdings sehr dezent, denn das Streamen ist meiner Meinung nach eher was für ein Haus mit einer großen Theatergeschichte wie die Berliner Schaubühne oder das Berliner Ensemble. Die...
«Das Reich, lang geteilt, ganz geeint; lang geeint, ganz geteilt.»
Die Geschichte der Drei Reiche (ein klassischer chinesischer Roman), von Luo Guanzhong
«Schmerz aus zweiter Hand ist weit besser als aus erster Hand.»
Aus der Zeit fallen, von David Grossman
Figuren:
Der Außenstehende ein junger Mann in den Zwanzigern
Der Mann, der Schmerz mitansieht...
