Monsterfische, Riesenschweine, Klassenkampf
Zwei Kinder in einem dunklen, schmutzigen Schacht, umgeben von Leichen. Sie reden über das, was sie jetzt am liebsten hätten. Dem Jungen fallen jede Menge Leckereien ein, Hotdogs, Grillhähnchen, Wachteleier; das Mädchen wünscht sich – ein kühles Bier.
Und schon verdunkelt sich der Himmel, und am Schachteingang erscheint der fürchterliche Kopf des Fischmonsters, das sie entführt hat und hier nun gefangen hält.
Es öffnet sein grässliches Maul und kotzt menschliche Gebeine auf die Kinder, Knochen, Knorpel, einen Schädel, was von seinem Abendessen eben so übrig blieb nach dem Verdauungsprozess, und – eine Dose Bier, die beim Aufschlag ein Loch bekommt und zischend vor dem entsetzten Mädchen liegen bleibt. Eine exemplarische Bong-Joon-ho-Szene.
Was wie ein etwas infantiler Komödien-Gag daherkommt, erweist sich im Gesamtkontext von «The Host» (2006) als mehrdeutig. Zu Beginn bietet der alleinerziehende, geistig leicht zurückgebliebene Underdog-Vater seiner Tochter ein Bier an mit der Bemerkung, er habe in der siebten Klasse auch schon getrunken. Das Bierdosen-Motiv wird so zum Verweis auf Eltern-Überforderung und familiäre Alkoholismus-Disposition. Eine weitere Bedeutungsebene ...
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Theater heute Juli 2020
Rubrik: Essay, Seite 46
von Rebekka Kricheldorf
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