Notfallplan Parallelaktion
Eine Frau und ein Mann sitzen an einem Tisch. Er fragt, sie antwortet nicht nur mit ja oder nein, so die Verabredung. Es funktioniert nicht gleich auf Anhieb. Erst weicht sie aus, wehrt ab oder greift im Gegenzug an, um schließlich doch Intimes preiszugeben. Eine Feier des Gewesenen, das bei aller elegischen Verklärung ein subtiles Grauen verströmt, und ein Liebesspiel der Worte, nicht ohne die altherrliche Attitüde des Eindringens in die andere Biografie, in der der Mann wohl selbst auf eine Weise vorgekommen ist, die nie ganz deutlich wird.
Nach dem Eintauchen in die kriegsversehrte slowenische Familienwelt in dem Mehrgenerationenepos «Immer noch Sturm» gründelt Handkes jüngstes Zwei-Personen-Stück «Die schönen Tage von Aranjuez» so leger an der sommerluftigen Oberfläche, dass offen bleibt, ob hinter der Erzählung der Frau von ihrer sexuellen Initiation als Zehnjährige auf der Kinderschaukel womöglich etwas Gewaltsames schlummert, oder ob es sich bei der erotisch getönten und mit Naturbetrachtungen verzierten Plauderei schlicht um die vielseitig verwendbare Vorlage für das Tête-à-tête zweier Schauspieler handelt. Was also tun mit einem Stück, das ausdrücklich kein Drama, sondern ...
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Theater heute Oktober 2013
Rubrik: Chronik: München Residenztheater, Seite 60
von Silvia Stammen
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«In der Nacht des 14. März 1939 träumte Jaromir Hladik, Autor der unvollendeten Tragödie DIE FEINDE, einer RECHTFERTIGUNG DER EWIGKEIT und einer Untersuchung der indirekten jüdischen Quellen bei Jakob Böhme, in einer Wohnung in der Zeltnergasse in Prag von einer großen Schachpartie.»
So lautet der erste Satz von JORGE LUIS BORGES’ achtseitiger Erzählung DAS...
Eva Behrendt Herr Joss, was kann eine Puppe, das ein Schauspieler nicht kann?
Markus Joss Eine Puppe kann überhaupt erst auf der Bühne entstehen. In gewisser Weise trifft das auch für die Figur zu, die ein Schauspieler darstellt. Aber im Fall der Puppe – oder eines anderen unbelebten Gegenstandes – geht die Verwandlungs- und Imaginationskraft der Puppenspieler und...
Klingt schwer nach Anmaßung: Circa 1.000 Seiten lang ist Hermann Melvilles Jahrhundertroman «Moby Dick» auf Deutsch, 150 Minuten Theaterzeit gewährt ihm in Hamburg Antu Romero Nunes. Allein ist er mit dieser Zurechtstutzungs-Chuzpe allerdings nicht. Melvilles sperriges Amalgam aus Apokalypse und Literaturverweisen, gewundenster Hoch- und Fachsprache neben krudem...
