Likörchen?

nach Rainer Werner Fassbinder «Die Ehe der Maria Braun»

In der Zigarrenraucherrepublik: Noch bevor das Publikum die Lübecker Kammerspiele betritt, pafft Astrid Färber schon am Bühnenrand, lallt und kichert übertrieben laut, ein, zwei Likörchen dürfte sie sich schon genehmigt haben. Das gerade vor dem Sprung an größere Häuser stehende Regieduo Mirja Biel/Joerg Zboralski hat sich entschieden, Fassbinders «Die Ehe der Maria Braun» von hinten aufzuzäumen: Färber spielt die ältere Maria Braun, die im Wirtschaftswunder­deutschland zu Wohlstand gekommen ist, die allerdings auch moralisch wie ästhetisch derangiert daher kommt.

Die Inszenierung macht so schon vor Beginn klar, dass es ihr nicht darum geht, das Filmmelodram chronologisch nachzuerzählen, überhaupt: Diese Maria Braun ist keine historische Ausgeburt von Krieg und Nachkriegszeit, stattdessen bläst sie dem Publikum Rauch ins Gesicht, angetrunken an der Rampe.

Diese «Ehe der Maria Braun» funktioniert so als Spiel mit zeitlichen Zuschreibungen: Ja, die Handlung spielt weitgehend in den Fünfzigern, und damit das auch jeder versteht, wird die jeweilige Jahreszahl immer wieder eingeblendet. Die Bühne aber stellt einen Nicht-Ort dar, mit Drehbühne, Projektionswand und Musikecke, jenseits ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2013
Rubrik: Chronik: Lübeck, Seite 59
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
Revolution in Legoland

Der eine ist ein früher Bruder von Roland Koch, Ole von Beust, Horst Köhler und entdeckt in der stalinistischen Phase der Französischen Revolution das Sensibelchen in sich. Robespierre dagegen, anders als St. Just noch ein Lehrling des angewandten Machiavellismus, gibt für kurze Zeit tatsächlich den skrupellosen Machtpolitiker, um einige Monate später selbst unter...

Das Kind im Alphamännchen

Als Schauspieler ist Sven-Eric Bechtolf am besten, wenn er harte Typen spielt. Auch in Interviews kann der Salzburger Schauspieldirektor schon mal schroff werden, wenn ihm eine Frage nicht gefällt. Aber das Programm, das Bechtolf in Salzburg macht, zeigt: Hinter der rauen Schale des Alphamännchens steckt ein weicher Kern. Das Schauspielangebot, das er seit dem...

Impressum

Die Theaterzeitschrift

im 54. Jahrgang
Gegründet von
Erhard Friedrich und Henning Rischbieter

Herausgeber
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

Redaktion
Eva Behrendt
Barbara Burckhardt
Franz Wille (V.i.S.d.P.)

Mitarbeit
Marion Schamuthe

Gestaltung
Christian Henjes

Designkonzept
Ludwig Wendt Art Direction

Redaktionsanschrift
Nestorstr. 8-9, 10709 Berlin,
Telefon 030/25 44...