Nicolas Stemann: Wir sind Ödipus
Wie ist es möglich, im Theater angesichts der drängenden ungelösten Probleme in der Welt noch künstlerische Freiheit zu behaupten? Ohne, so müsste man hinzusetzen, dass dies auf Freiheit von Realität und Verantwortung hinausläuft? Es steht die Befürchtung im Raum, dass politisches und soziales Engagement das Theater dümmer und schwächer machen, als es ist. Wenn dies notwendig so ist, dann haben wir in der Tat ein Problem, denn dann wird das Theater in der Folge unter der Last dieser Verantwortung zusammenbrechen.
Dann bliebe tatsächlich nur, sich vor den Zumutungen der Tagesaktualität zu drücken – was letztlich einer Flucht in die Irrelevanz gleichkommt.
Die neue Einfachheit
Wir leben in einer Zeit der einfachen Antworten. Was nicht in einen Hauptsatz passt, überfordert. Was sich nicht mit einem Ausrufungszeichen versehen lässt oder ebensogut mit einem Emoticon ausgedrückt werden könnte, ist verdächtig. Wo die Fundamentalismen den Ton angeben, gibt es nur noch Freund oder Feind, Like oder Dislike. Wo Meinungen produziert werden statt Argumente, bleibt wenig Platz zum Nachdenken.
Dieser Trend hat auch das Theater ergriffen. Aussagen stehen hoch im Kurs. Man interessiert sich weniger ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: , Seite 36
von Nicolas Stemann
Der Schauspieler Ulrich Matthes registriert seit Längerem ein gewisses Unbehagen an der (Bühnen-)Kultur. «Viele Menschen können mit dem Theater nichts rechtes mehr anfangen», sagte er in seinem Eingangsstatement zum Symposium «Was soll das Theater?» in der Berliner Akademie der Künste, das er als Direktor der Sektion Darstellende Kunst aus besagtem Grund selbst...
Ort
Eine geräumige Wohnung an der Upper East Side in New York.
Zeit
2011 bis 2012.
Die ersten beiden Szenen spielen im Spätsommer 2011.
Die dritte Szene spielt drei Monate später im Herbst.
Die vierte Szene spielt sechs Monate später im Frühling.
Das Stück sollte ohne Pause gespielt werden
SZENE EINS
Licht.
Hohe Decken, Parkettboden, Profilleisten. Das...
Die Anforderungen sind durchaus abschreckend. Ein Master-Studienabschluss sei für eine diplomatische Karriere Pflicht, singt Anne Tismer. Außerdem perfekte Kenntnisse in Französisch und Englisch. Die Bereitschaft, alle drei Jahre umzuziehen. Und so weiter, puh. Tismer singt, Gotta Depri trommelt. Und dann grinst er: Den ganzen Text habe sie ja wohl fleißig auf...
