Ein lauter, galliger Witz
Die Anforderungen sind durchaus abschreckend. Ein Master-Studienabschluss sei für eine diplomatische Karriere Pflicht, singt Anne Tismer. Außerdem perfekte Kenntnisse in Französisch und Englisch. Die Bereitschaft, alle drei Jahre umzuziehen. Und so weiter, puh. Tismer singt, Gotta Depri trommelt. Und dann grinst er: Den ganzen Text habe sie ja wohl fleißig auf Wikipedia zusammengeklaubt. Es ist gar nicht so einfach, mit der postkolonialen Position; wenn man da nicht absolut sorgfältig vorgeht, steht man schnell als Blender da.
«Der Botschafter» ist zunächst ein typisches Stück des gleichzeitig zwischen Europa und Westafrika wie zwischen Tanz, Musik und Theater wandelnden Regieduos Monika Gintersdorfer und Knut Klaßen: Ein multiethnisches Ensemble versucht, mittels einer eklektizistischen Popkultur-Performance-Politik-Mischung soziale Gemengelagen der jüngeren westafrikanischen Geschichte zu durchleuchten. Im Gegensatz zu früheren Arbeiten wie «Mobuto choreografiert» (2013) und «Identitäten dehnen» (2014) folgt «Der Botschafter» allerdings einer recht klaren narrativen Struktur: Erzählt wird, wie der deutsche Diplomat Ritter während der 90er Jahre in verschiedenen ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Falk Schreiber
Bittersüße Melancholie und traumgleich verschobene Wahrnehmung – der Titel von Henriette Dushes bereits 2011 entstandener «Bühnenelegie» (ausgezeichnet mit dem Grabbe-Preis und dem Lenz-Preis für Dramatik) setzt zweifellos poetische Assoziationen frei. «Drei Spielerinnen» und einen «Männerchor von drei Stimmen» führt Dushe in diesem «dichten Birkenwald» zusammen,...
Für einen Theaterabend, der auf Schuberts «Winterreise» basierte, filmte der Theater- und Filmregisseur Kornél Mundruczo im Herbst 2013 sechs Tage lang im ungarischen Flüchtlingslager Bicske. Er bat die Geflüchteten – Menschen aus Afghanistan und Syrien –, auf eine neutrale, unemotionale Art und Weise ihre täglichen Routinen nachzustellen: Schlafen, Essen, Trinken,...
Die Spätphase des Harold Pinter war ein langsames Verstummen. Seine letzten Dramen waren kaum noch abendfüllend, manche dauerten nur wenige Minuten. Und als er 2005 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, hatte der englische Dramatiker und Drehbuchautor die Produktion bereits ganz eingestellt. Auch «Party Time» (1991) war in der vom Autor selbst...
