Nicht an Wunder glauben
Gleich sieben Mal stirbt die Schauspielerin in diesem Stück. Schon in der ersten Szene wird sie beim Grenzübergang aus der Ukraine von einer Gruppe Flüchtender erschlagen, die ihr ihre Mitwirkung in genau den russischen Fernsehserien verübeln, die sie selber früher begeistert konsumiert haben.
Dass eine Flüchtende aus Butscha mit besonderer Wut auf die Schauspielerin eindrischt, kann man sogar verständlich finden, wenn man sich die grauenvolle Geschichte von Folter und Vergewaltigung durch eine Gruppe russischer Soldaten während der Besetzung Butschas vor Augen hält, die sie erleiden musste. Was nichts daran ändert, dass auch ihr die Serie ursprünglich wohl gefallen hat.
Der gemeinsam begangene Totschlag an der Künstlerin dient der Reinigung, oder soll man sagen: Säuberung, der kollektiven Erinnerung. In der zweiten Szene von Natalka Vorozhbyts im Auftrag der Münchner Kammerspiele entstandenem und bisher in München und Kiew von Jan-Christoph Gockel und Maksym Golenko inszeniertem Stück «Green Corridors» (s. TH 6/23) steht die eben ums Leben gekommene Schauspielerin in einem Film über die letzten Tage der ukrainischen Lyrikerin und Nationalheldin Olena Teliha vor der Kamera. Teliha ...
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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Akteure, Seite 36
von Sebastian Huber
Aufgestapelte Steine, verschnürt mit weißen Banderolen, sind auf dem großen Theaterplatz rund um die berühmte Goethe-Schiller-Statue verteilt; dazwischen stehen in weißer Farbe handschriftlich Namen, viele davon mit jüdischem Klang. Sie können mit einem Megafon am Pult mit den entsprechenden Lebensdaten vorgelesen werden. Der bildende Künstler Günther Uecker hat...
Wer Maria Müller-Sommer und ihren (ihren!) Theaterverlag in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einmal in der alten Dahlemer Villa besucht hat, dürfte ein paar wichtige Einsichten mitgenommen haben. Die wahren Herrlichkeiten lagen nämlich im Keller: das Archiv und die Küche. In Ersterem waren in vornehm angestaubten Fächern unter locker gestapelten Manuskript...
Kann mal bitte jemand die Zikaden abstellen? Theater beim Festival von Avignon ist zu weiten, oft den schönsten Teilen Theater an der freien Luft. In romanischen Kreuzgängen, barocken Innenhöfen, klassizistischen Gärten. Das hat zur Folge, dass auch mal ein dicker Käfer auf dem Mond im «Sommernachtstraum» herumbrummt oder dass weit oben im Pro -vencehimmel die...
