Die Jahrhundert-Verlegerin
Wer Maria Müller-Sommer und ihren (ihren!) Theaterverlag in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einmal in der alten Dahlemer Villa besucht hat, dürfte ein paar wichtige Einsichten mitgenommen haben. Die wahren Herrlichkeiten lagen nämlich im Keller: das Archiv und die Küche. In Ersterem waren in vornehm angestaubten Fächern unter locker gestapelten Manuskript -haufen Kostbarkeiten zu finden wie u.a. unübersetzte und längst vergessene Stücke von George Tabori, und in Letzterem wurde von einer emsig wirtschaftenden Köchin das Mittagessen vorbereitet.
Dieses wurde dann zur vorbestimmten Stunde per leise rumpelndem Essensaufzug (!) ins Erdgeschoss befördert und dort von einem Hausmädchen in stilvoller Runde serviert. Dann saß der ganze Verlag um den Tisch und sprach gepflegt über die anstehenden Dinge. Die Stimmung war von unnachahmlich zwangloser Steifheit.
Frau Dr. Maria Müller-Sommer hat ihr verlegerisches Königinnen-Reich seit den späten 1940er Jahren mit wachen literarischen Prioritäten und charmanter Disziplin aufgebaut. 1945 im Alter von 23 Jahren mit einer Arbeit über «Zensur in Berliner Theatern im 19. Jahrhundert» an der Friedrich-Wilhelm-Universität (heute Humboldt Uni) ...
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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Nachruf, Seite 44
von Franz Wille
Pläne der Redaktion
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