Des Waldes Wutrede
Kurz vor Schluss dieses langen Waldtages landen wir auf einer Lichtung. Hinter einem kaum sichtbaren, zugewachsenen Tümpel erhebt sich ein rot leuchtendes LED-Panel, umstellt von 14 Lautsprechern, und aus dem Tümpel steiget, als wir rund 200 Zuschauer:innen uns auf der Wiese niederlassen, eine gigantische, hungrige Mückenschar. Hektik bricht aus, letzte Insektenspray-Reserven werden appliziert, trotz schwüler 32 Grad die Flucht in luftdichte Plastikponchos angetreten. Erstaunlicherweise ebbt die Attacke ab. Dafür beginnt das LED-Panel zu texten.
Erst liefert es nur sachliche Beschreibungen des Offensichtlichen wie «Mitten auf der Wiese steht ein LED-Panel», dann wird es persönlicher: «Ich sehe euch.» Tja, wer spricht denn da? «Ich mag es, wenn ihr mich Natur nennt.» Ein kleiner Ritt durch die Menschheitsgeschichte beginnt. «Sah euch am Feuer Pläne schmieden, wie ihr von mir loskommt … und dachte mir, wo wollen sie denn hin?» «Die Ausrottung eurer Spezies ist eine Erlösung, sie ist ganz nah», «Macht, was ihr wollt», «Ich brauche euch nicht», wütet das Panel immer ungehaltener, begleitet von bösem Rauschen aus den Lautsprechern. Dass die Natur uns wie ein beleidigter Herrscher eine ...
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Theater heute Oktober 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt
Als sie erfuhr, sie werde die erste außereuropäische Programmdirektorin von Theater der Welt, bestimmte die Corona-Pandemie noch das Geschehen. Chiaki Soma, eine der wichtigsten Produzentinnen und Festivalmacherinnen Asiens, saß in Tokio fest und dachte über mögliche Schwerpunkte nach, die in zwei Jahren das Festival prägen sollten, das vom Zentrum Bundesrepublik...
Wie davon erzählen, vom vermeintlichen Ankommen als Arbeitsmigrant:innen-Kind im bundesdeutschen Wohlstandswesten? Vom sich Heraufschwingen in den Kronleuchter der Wunschexistenz, die doch immer gefährdet und prekär bleibt? Von den Erinnerungen an die dauergestresste Mutter, die von Niedriglohnjob zu Niedriglohnjob hetzen musste, nie Zeit für sich hatte, das Kind...
Zwei Neonaugen leuchten in die Nacht hinein über dem Hintereingang des Theaters an der Ruhr. Zum Schlund wird das Türportal, das die Zuschauer vom illuminierten Raffelbergpark hineinsaugt und wieder ausspuckt. Innen ist das Foyer mit schwarzen Glitzerfäden ausgekleidet, rote Sofas laden zum Chillen ein. Oder man steht doch wieder auf und geht in der leicht...
