Mülheim: Verfallsfreuden
Eine goldene Parallelwelt, einen elitären Schuhkarton des Reichtums hat die Bühnenbildnerin Ramallah Aubrecht im Theater an der Ruhr in Mülheim geschaffen. Grandios realitätsentrückt bauschen sich die glitzernden Lamettafäden, wenn die Windmaschine im «Shitstorm» anspringt, ansonsten sieht der Bühnenraum aus wie ein vergoldetes Gefängnis: eine Kitschfalle, hermetisch abgeschottet, unerreichbar für Realität, ein schönes Bild für die Abgehobenheit des Trump-Milliardärsuniversums – ohne dafür ein blondes Haarteil oder sonst ein direktes Nachrichtenbild zu verwenden.
Auch Elfriede Jelinek verwendet bekanntlich den Namen Donald Trump in ihrem Stück der Saison «Am Königsweg» nicht, beklagt statt dessen eine Welt in Verfall und kindlicher Regression, die nach trivialster Täuschung und einer ablenkenden Autoritätsfigur hungert – und sich damit selbstverschuldet jenen Menschen einbrockt, der vielleicht mal als perfekte Ausgeburt des Spätkapitalismus in die Geschichte eingehen wird. Wenn es so etwas wie Geschichte dann noch gibt. Mit Gold übergossen sind auch die vier Mitglieder zu Hofe, die durch Seitenaltäre auf die Bühne kommen, maskulin entspannt und allzeit bereit in Bademäntel ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Dorothea Marcus
Unmittelbar vor der Pause tanzt eine aus der Reihe: Kathleen Morgeneyer, zwei Stunden lang ein aufgekratztes Hühnchen auf der Suche nach ein bisschen Leidenschaft, nimmt sich ihren Auftritt, reißt sich den goldenen Lametta-Fummel vom Körper und tritt im roten Licht halbnackt an die Rampe, schwarze Troddeln an der Brust und tiefe Verzweiflung in der Stimme:...
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