Repräsentationskritik: Fische, Früchte und freie Liebe
Nauru, einst Teil des Deutschen Reiches, ist eine verlorene Insel in der Südsee: 10.000 Einwohner, 1200 Meilen ist die nächste Siedlung entfernt, 30 Minuten dauert eine Inselumrundung, ein einziges Flugzeug fliegt Nauru an. Durch einen aberwitzigen geografischen Zufall lagerte sich hier vor vier Millionen Jahren Vogelkot zum kostbaren Düngemittel Phosphor ab – ein «Shit Island» im wahrsten Sinne des Wortes. Das führte zu kurzem Segen und endlosem Fluch der vermeintlichen Paradiesbewohner.
Die kleine Insel wurde zum kolonialen Spielball von Deutschland, Frankreich und Australien, vom kurzzeitig reichsten Land der Welt zur verwüsteten und verarmten Mondlandschaft von heute.
Ausgegraben und sorgfältig nachrecherchiert hat die kurios-tragische Geschichte das freie Theaterkollektiv Futur3 und bringt sie im Kölner Orangerie-Theater auf die Bühne, als Parabel des entfesselten Kapitalismus. Abbildungen realer Inselbewohner und Landschaften werden dabei konsequent vermieden, denn der Abend ist auch eine Untersuchung darüber, wie seit Jahrhunderten falsche, ferngesteuerte Bilder über das Fremde entworfen werden.
Zunächst setzt sich der Zuschauer also zu einer Art Live-Hörspiel im Halbdunkel ...
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Theater heute April 2018
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Dorothea Marcus
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