Monster Mensch

Milo Rau verbindet Sophokles mit der indigenen Landlosenbewegung: «Antigone im Amazonas», uraufgeführt am NTGent

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Drei Jahre hat es gedauert, eine Pan - demie und einen brasilianischen Machtwechsel inklusive, bis zu Milo Raus letzter Premiere im NTGent. Und dann stieg ausgerechnet drei Tage vorher unerwartet die Hauptdarstellerin und Aktivistin Kay Sara aus, flog zurück in den Amazonas, weg von der Kunstanstrengung Theater, zurück zu ihren Leuten, ihrem eigentlichen Kampf – erzählt der belgische Schauspieler Arne De Tremerie, der auf der Bühne Antigones Verlobter Haimon ist.

Als Antigone ist Kay Sara immer noch auf der Leinwand zu sehen, im langen roten Kleid begräbt sie ihren Bruder unter der Brücke an der Ausfallstraße Eldorado do Carajás, jenes kalte Symbol kolonialer Expansion auf Kosten indigenen Landes, auf der monströse Lkws mit Rohstoffen vorbeirasen. Ihre Texte werden nun vom brasilianischen Schauspieler Frederico Araujo gesprochen, der aus Rio stammt und vorher noch nie im Amazonas war.

Aber was bedeutet das schon, wenn es um alles geht, den Kampf um die größten Urwälder, die Lungen der Welt? In Brasilien, für die an der Produktion beteiligten Aktivisten der Landlosenbewegung «MST», ist der Kampf noch existenzieller in einem Land, dessen gewaltige Fläche zu 45 Prozent in der Hand ...

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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Dorothea Marcus

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