Out of the Homeland
Die Schauspielerin in der Mitte des Platzes vor dem ehemaligen Kino der US-Streitkräfte wurde wohl direkt von einem Schlachtfeld des American War of Independence eingeflogen. Dass sie unzufrieden ist und inmitten einer Traube von Zuschauer:innen mit ihrem Job hadert, könnte damit zusammenhängen, dass sie wie einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten gekleidet ist: Gehrock bis zu den Knien, Rüschenkrawatte, Kniebundhose und eine zerzauste Langhaar -perücke.
Tala Al-Deen aus dem Mannheimer Schauspielensemble fragt sich, ob sie das hier überhaupt spielen sollte, und wenn ja, wen sie da spielt.
Vertrauen ist notwendig beim Betreten des historisch kontaminierten Benjamin Franklin Village, immerhin war das Kasernendorf eine Filiale des Pentagon und die logistische Hauptschlagader eines von Heidelberg bis Rammstein reichenden Warfare Valley. Einige Jahre lag alles brach, inzwischen wird das Areal aber ganz zivil bebaut, und neuerdings ist im ehemaligen US-Kino auch die Ausweichspielstätte des Mannheimer Schauspiels stationiert.
Es gibt gute Gründe, diesem Terrain, von dem aus Krieg gegen Afghanistan, den Irak und Vietnam geführt wurde, immersiv auf den Zahn zu fühlen. Wobei: Das ...
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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Jürgen Berger
Rage und Respekt – ganz deutsch geschrieben, das ist das Motto der diesjährigen Ruhrfestspiele Recklinghausen, wo man doch «rage and respect» als Rapper-Slogan besser kennt. Dort heißt es: Wut auf diejenigen, die einen nicht achten, oder: wütend Achtung einfordern. Der entflammte Zorn aber achtet gerade nicht das Gegenüber. Wut und Achtung hängen auf...
Wir sind die Krankheit», röchelt die sterbende Priesterin gleich in der ersten Szene, nachdem sie vor Ödipus endgültig zusammengebrochen ist – und hat damit schon fast das ganze Stück verraten. Nur dass man/frau es zu diesem frühen Zeitpunkt natürlich noch nicht verstanden hat.
Sophokles’ «Ödipus» hat zu Pandemiezeiten ungewöhnliche Spielplan-Konjunktur erlebt....
«Am Mittag des neunzehnten August zweitausendund / Am hellichten Mittag des neunzehnten August zweitausendund / Es war der August vor/». Mit immer wieder abbrechenden Anfangssätzen beginnt Dea Lohers «Das letzte Feuer» und hat sich als Episodendrama über eine Realität, in der die Verzweiflung zu Hause ist, die mannshohe Dogge den bestbezahlten Job der Gegend hat...
