In bester Absicht

Avishai Milstein «Die Friedensstifterin» (U) im Theater im Fridericianum Kassel

Theater heute - Logo

Der israelische Dramatiker Avishai Milstein hat in seinem Stück über den gerade wieder aufflammenden tödlichen Nahost-Konflikt eine junge Cellistin aus dem friedlichen Husum in den Mittelpunkt seiner Fabel gestellt; Alice ist mit dem Orchester, in dem sie spielt, gerade zu Gast in der Gaza-Region. Am Strand, wo sie übt, trifft sie jemanden, der so ähnlich heißt wie sie, einen Palästinenser namens Ali, was auch der Spitzname von Alice ist, nur anders betont … und so absichtsvoll geht’s weiter, Baustein für Baustein.

Während die beiden einander kennenzulernen beginnen, hat ein Anschlag stattgefunden in Gaza-Stadt, und Alices Orchester ist schnurstracks abgereist, ohne ihr Bescheid zu sagen – sie übte ja am Strand. Jetzt muss sie Kontakt aufnehmen mit dem deutschen Kultur-Institut, dass das Gaza-Gastspiel organisiert hat, und dort trifft sie Herrn Muafak, der in Deutschland studierte und Spezialist für Wirken und Denken des deutschen Philosophen Johann Gottlieb Fichte wurde; jedes klug-idealistische Fichte-Diktum kennt er auswendig. Helfen aber kann er damit nicht.

Auch das Institut wird zerbombt; Alice wird von palästinensischen Kämpfern festgenommen. In deren Folter-Gefängnis übt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2023
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Michael Laages

Weitere Beiträge
Nicht aufgeben

Als politischer Mensch trifft mich diese Wahl schwer. Ich denke, wenn nicht jetzt schon die Zeiten für die Opposition düster waren, dann wird sie definitiv in den kommenden Jahren noch finsterer. Ein Exodus steht dem Land bevor. Die inhaftierten oppositionellen Stimmen werden in den Gefängnissen bleiben, ohne einen Prozess. Die ethnischen Minderheiten, Kurden,...

Von Palast zu Palast

Das kleine rote Büchlein, das der ehemalige Palastkoch Hans-Jürgen Schreiber gegen Ende der Performance im Publikum verteilt, ist so ziemlich das Gegenteil einer Mao-Bibel. Zusammengesetzt aus Schlüsselwörtern und Fragmenten, beschreibt es unter anderem den Blick von Ost und West aufeinander: «Sowohl die Chinoiserie als auch ihr Gegenstück, die Européenerie,...

Wir sind die Neuen!

Ein denkwürdiger Abend, wenn auch auf andere Weise als erwartet, eröffnete die 18. Ausgabe des Festivals Radikal jung im Münchner Volkstheater. Im vollbesetzten Großen Saal mit 700 Plätzen war man gespannt auf Peter Handkes jüngstes Alterswerk «Zwiegespräch» in der Burgtheater-Inszenierung von Rieke Süßkow und auch gleich gefesselt davon, wie Bühnenbildnerin Mirjam...