In bester Absicht
Der israelische Dramatiker Avishai Milstein hat in seinem Stück über den gerade wieder aufflammenden tödlichen Nahost-Konflikt eine junge Cellistin aus dem friedlichen Husum in den Mittelpunkt seiner Fabel gestellt; Alice ist mit dem Orchester, in dem sie spielt, gerade zu Gast in der Gaza-Region. Am Strand, wo sie übt, trifft sie jemanden, der so ähnlich heißt wie sie, einen Palästinenser namens Ali, was auch der Spitzname von Alice ist, nur anders betont … und so absichtsvoll geht’s weiter, Baustein für Baustein.
Während die beiden einander kennenzulernen beginnen, hat ein Anschlag stattgefunden in Gaza-Stadt, und Alices Orchester ist schnurstracks abgereist, ohne ihr Bescheid zu sagen – sie übte ja am Strand. Jetzt muss sie Kontakt aufnehmen mit dem deutschen Kultur-Institut, dass das Gaza-Gastspiel organisiert hat, und dort trifft sie Herrn Muafak, der in Deutschland studierte und Spezialist für Wirken und Denken des deutschen Philosophen Johann Gottlieb Fichte wurde; jedes klug-idealistische Fichte-Diktum kennt er auswendig. Helfen aber kann er damit nicht.
Auch das Institut wird zerbombt; Alice wird von palästinensischen Kämpfern festgenommen. In deren Folter-Gefängnis übt ...
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Theater heute Juli 2023
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Michael Laages
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