Mensch, Puppe, Automat
Statt in den Zuschauerraum wird das Publikum auf die Bühne des Depot 2 geleitet und betritt hier eine seltsame Welt. Sphärische Klänge vermischen sich mit maschinenartigem Summen und Geräuschen, die entfernt an Tierlaute erinnern. Eine weißgekleidete weibliche Schaufensterpuppe hängt waagerecht an einem Seil in der Luft wie ein bizarres Flugobjekt. Langsam wird sie zu Boden gelassen und wieder hochgezogen.
Doch halt, sie bewegt sich unmerklich, vielleicht doch ein Mensch?
Auf zwei weißen Podesten liegen ein junger Mann und eine junge Frau, ebenfalls weißgekleidet, auch mit ihnen scheint etwas nicht zu stimmen. Auf den zweiten Blick erweisen sich ihre schlafenden Gesichter als täuschend echt aussehende Latexmasken. Mensch, Puppe, Automat – schon Büchner hat in «Leonce und Lena» mit der Frage gespielt, ob ihre Interaktion einen Ausbruch aus körperlichen und gesellschaftlichen Grenzen ermöglicht. In seiner musikalischen Installation «Meta-Sleep» am Schauspiel Köln zitiert Regisseur Robert Borgmann aus Büchners Stück und überführt es in unser gerade mit Wucht begonnenes Zeitalter von Avataren, künstlicher Intelligenz, Chatbots und Co.
Die Todesträumereien und ...
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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Chronik, Seite 76
von Natalie Bloch
Seine Zeit ist vorbei. Wortlos sitzt ein grau angezogener Mann (Ekkehard Freye) zwischen Zimmerpflanzen in einem gediegen nussbraun vertäfelten Zimmer. Über ihm hängt ein Bild der Heiligen Barbara, Schutzpatronin der Bergleute, neben ihm ein Arbeitshelm an der Wand: Einst war er stolzer Kumpel der Zeche Prosper Haniel. Vor ihm stehen Blumentöpfe, die er still...
Wenn der Wohlstand und die Stadtkasse in Gefahr sind, dann sieht es schlecht aus mit der Moral. Das machte Henrik Ibsen schon vor 140 Jahren in seinem gesellschaftskritischen Drama «Der Volksfeind» klar. Darin geht es um einen Bade-Kurort, dessen Heilwasser – regionaler Wirtschaftsfaktor Nummer 1 – durch giftige Abwässer verseucht wird. Der Aufdeckung diese...
Was für eine Energie, die von der Bühne herab knistert, glitzert, gluckst und giggelt – und dann plötzlich explodiert, aus einer schroffen Tiefe heraus, die man zuerst gar nicht verorten kann in der schmalen Person da oben in der Mitte mit hellwachen Augen und leicht spöttischen Mundwinkeln. Noch sitzen sie zu fünft am Lesetisch und kabbeln sich über ihre...
