Das Theater der Leinwand
Alexander Camaro war vieles in seinem Leben: ein Liebhaber des Varieté, Bühnentänzer und Maler. Als letzterer wurde er bekannt, übernahm Anfang der 1950er Jahre eine Professur an der Hochschule der Bildenden Künste in Berlin und war mit seinen Werken auf den ersten beiden documenta-Ausstellungen vertreten. Schaut man jedoch in sein Werk, wie die Ausstellung «Die Welt des Scheins» es tut, die noch bis zum 18. Juni im Angermuseum in Erfurt zu sehen ist und vorher bereits im Kunstforum Hermann Stenner in Bielefeld zu sehen war, so fallen vor allem seine Bezüge zur Bühnenkunst ins Auge.
Das gilt vor allem für die früheren Werken, wo weniger die hohe Bühnenkunst, sondern Varieté, Zirkus und Jahrmarktschaubuden im Fokus stehen. Etwa in seiner schwarz-weißen Tuschzeichnung «Thespiskarren», die in dünner Federführung mit schnellen Strich die Rückseite eines Pferdewagens zeigt, in dem ein Harlekin und eine Ballerina sitzen. Harlekin und Tänzerin tauchen so manches Mal auf. Besonders prägnant ist das 1956 entstandene Ölgemälde «Großer Harlekin», eine an den Kubismus angelehnte Dekonstruktion des Harlekinmotivs mit seinem charakteristischen Rautenkostüm. Auf dunkel-grauem Grund entfaltet ...
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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Magazin, Seite 85
von Torben Ibs
Und wenn es nun in dieser Minute geschlossen gewesen wäre, darum also hätte ich gelebt?», räsonniert Heinrich von Kleist in einem Brief, den er am 18. Juli 1801 unmittelbar nach seinem «spektakulären» Kutschen-Unfall auf dem Butzbacher Marktplatz schrieb, über sein Leben. «Das hätte der Himmel mit diesem dunkeln, rätselhaften, irdischen Leben gewollt, und weiter...
Es gibt wenige Stücke, mit denen man so wunderbar klarmachen kann, was man sich von der Theaterkunst erhofft, wie Anton Tschechows «Die Möwe» (von 1896). Schließlich kreist die Handlung um einen geradezu exemplarischen Dichterwettstreit: Da haben wir auf der einen Seite den ambitionierten Jungdramatiker Kostja, der sich als flammender Visionär und...
Was und warum sie gemeinsam alles hinter sich lassen wollen, wird bis zuletzt nicht ganz klar an diesem Heimatabend mit rein weiblicher Besetzung, der mit viel inbrünstigem Gesang und verpeilter Heilssuche zu Werke geht. Es muss etwas mit Sehnsucht nach einer ganz speziellen Freiheit zu tun haben, die so zumindest in der «Hölle» des Freistaats Bayern nicht zu...
