Das Runde und das Eckige
Theater heute Herzlich willkommen zur Gesprächsrunde Theaterkritik! Zum Auftakt gleich ein Zitat der Schweizer Kuratorin Bice Curiger, die gerade in der «Neuen Züricher Zeitung» vom 21. März Folgendes geschrieben hat: «Theater-, Kunst-, Literaturkritik – existieren sie überhaupt noch? Ist es nicht so, dass ihre Tage gezählt sind? Zumindest in unserem kleinen, vielsprachigen Land, wo sich das Feuilleton nicht rechnet, wie mir ein prominenter Schweizer Zeitungsverleger, den ich als kunstaffin bezeichnen möchte, kürzlich mit Vehemenz dargelegt hat.
Vor 50 Jahren hielten sich in jeder größeren Stadt die noch zahlreichen Tageszeitungen mindestens einen festangestellten Kunstkritiker und daneben viele inspirierte Freie. Die Kritiker hatten ein Reisebudget, um sich zu informieren, und Ausstellungen und Theateraufführungen auch im Ausland zu besuchen. Kulturelle Ereignisse lösten jeweils einen vielstimmigen Chor aus. Und heute? Die Feuilletons verschlanken sich umgekehrt proportional zur massiven Bedeutungserweiterung, welche der kulturelle Sektor in den vergangenen Jahrzehnten gerade auch in der Schweiz erfahren hat. Eine traurige und besorgniserregende Bilanz! Warum bloß wird so wenig ...
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Theater heute Mai 2023
Rubrik: Theater heute 750, Seite 46
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Vom Mannheimer Hauptbahnhof fährt man 20 Minuten mit der Tram an den Stadtrand bis zum «Platz der Freundschaft». Dann steht man direkt davor: vorm alten Kino des ehemaligen US-amerikanischen Kasernenareals «Franklin». Jetzt ist das Schauspiel des Mannheimer Nationaltheaters in diesem zum Theater umgebauten Lichtspielhaus untergekommen. Mindestens für fünf Jahre. So...
So schlecht können die Zeiten gar nicht sein, gekokst wird immer. Kasimir hat zwar gerade seinen Job als Chauffeur verloren, aber wozu kennt er einen kleinkriminellen Dealer? Karoline möchte sich gesellschaftlich hocharbeiten, das weiße Pulver gehört zum Aufstieg ja quasi dazu. Seltsam eigentlich, dass noch niemand das Oktoberfest von seiner Drogenseite her...
Clemens J. Setz’ «Der Triumph der Waldrebe in Europa»
Was heißt hier Wirklichkeit?, fragt sich Renate, Mutter von David, der mit damals acht Jahren vor einiger Zeit bei einem Autounfall umgekommen ist. Und ihre Antwort lautet: «Mein Sohn gehört nicht der Erde, er gehört uns», also ihr und ihrem Mann Konrad. Fortan wird kein Toter betrauert, sondern ein Rollstuhl...
