Lübeck: Ruinen Europas
«Der Sommer war verregnet, zu Weihnachten blühte der Flieder, zu Ostern viel Schnee.» Klimawandel. Feriengäste haben keine Freude im Hotel «Zur schönen Aussicht». Der Hotelname allerdings ist ohnehin mit Vorsicht zu genießen: Als Ödön von Horváth seine Komödie «Zur schönen Aussicht» 1926 schrieb, ging die Aussicht auf den aufziehenden Faschismus. In Friederike Harmstorfs Inszenierung am Theater Lübeck schaut man über eine schmucklose Rampe auf eine imposante Felswand, auf der sich das Mosaik eines zerfallenden Europas abzeichnet (Bühne: Lina O. Nguyen).
Dieser historische Blick kommt nicht von ungefähr: Die Lübecker «Schöne Aussicht» feierte Premiere am 31. Januar, dem Tag, an dem sich das Vereinigte Königreich aus der EU löste. «Europa …» stammelt Hoteldirektor Strasser (Jan Byl) einmal ratlos angesichts dieser Perspektive. Keine Hoffnung: Europa liegt in Ruinen.
Harmstorf hat Horváths Vorlage beherzt auf 80 Minuten Spieldauer gekürzt und dabei sachte aktualisiert. Der Handlungsrahmen vom heruntergekommenen Hotel, in dem sich Verlierer, Kriminelle und Halbwelt breitgemacht haben, bleibt bestehen, der politische Bezug aber ist verloren. Dass Hoteldirektor Strasser, Chauffeur Karl ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Sollte Ihnen der österreichische Politiker Hans Kudlich (1823–1917) kein Begriff sein, ist das keine Schande. Der Mann, nach dem in Wien noch zu Lebzeiten eine Gasse benannt wurde, ist auch in seiner Heimat in Vergessenheit geraten. Trotzdem hat Thomas Köck die historische Figur jetzt schon zum zweiten Mal zum Titelhelden eines Stücks gemacht. Kudlich war jüngster...
Aachen, Grenzlandtheater
9. Assous, Das Blaue vom Himmel
R. Fabian Goedecke
Altenburg Gera, THeater
3. Lessing, Emilia Galotti
R. Caro Thum
Augsburg, Theater
23. Stückenetwicklung, Iskhalo somlambo/Der Ruf des Wassers (U)
R. Dorothea Schroeder (Koproduktion mit Ukwanda Puppets & Designs Art Collective)
25. Ionesco, Die Nashörner
R. Susanne Lietzow
Baden-Baden,...
Aufführungen
Deutliche Frauenübermacht auf der Regiebank im April: Alize Zandwijk kämpft in Bremen gegen den Kapitalismus und für Brechts «Die Heilige Johanna der Schlachthöfe».
Daniela Löffner zerlegt in Dresden mit Wedekinds «Lulu» männliche Geschlechterbilder. Susanne Wolff gibt in Frankfurt/M. Dea Lohers «Das Leben auf der Praca Roosevelt» einen neuen...
