Lonely little girls in a cold world
Der Konjunktiv hat auf der Bühne im Grunde nichts verloren. Indirekte Rede und Schauspiel, das passt eigentlich nicht zusammen. Kathrin Röggla schrieb ihre letzten beiden Theatertexte, «worst case» und «Die Beteiligten», trotzdem im Konjunktiv. Ernst Jandl hat das in seiner Sprechoper «Aus der Fremde» schon vor dreißig Jahren gemacht.
Aber während es Jandl darum ging, eine Form für die ganz persönliche Entfremdung eines Schriftstellers zu finden, ist die indirekte Rede bei Röggla ein medienkritisches Stilmittel – ein Ausdruck für das indirekte Leben von Zeitgenossen, die Fernsehen und Internet mit dem wirklichen Leben verwechseln.
In diesem Sinne dreht sich in «Die Beteiligten» alles um das Entführungsopfer Natascha Kampusch, obwohl deren Name nie genannt wird. Das Personal des Stücks besteht aus einem halben Dutzend Katastrophenjunkies, die von dem Fall besessen sind und Kampuschs mediale Auftritte bis ins Detail analysieren. Rögglas Trick besteht nun darin, dass sie ihre Figuren so reden lässt, als würde Kampusch aus ihnen sprechen. Genauer gesagt: Als würde Kampusch in indirekter Rede wiedergeben, was die Figuren zu ihr gesagt haben. Beispiel: «ich werde jetzt wohl alle ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Fernsehen
Mittwoch, 1.
18.10, Theaterkanal: Schiller reloaded – Szenische Dokumentation von Theo Roos (2005), mit Stefan Kaminski, Helge Schneider, Dagmar Manzel, Herbert Fritsch, Hanns Zischler u. a.
19.40, Theaterkanal: Abgeschminkt: Dieter Hildebrandt – beobachtet von Johanna Schickentanz
20.15, ARD: Neue Vahr Süd – Fernsehfilm (2010) von Hermine Huntgeburth, mit...
Sollte vom deutschen Privatfernsehen, dieser großartigen Trashverfertigungsanstalt für alle, von all seinen Primatenbräuten namens Daniela Katzenberger und Mittelstandsmarionetten wie Lena Meyer-Landrut einmal nichts übrigbleiben als ein dickes, orangefarbenes Buch, dann, ja dann darf man sagen: Es hat sich gelohnt. Jahre der Plackerei in den Castingfabriken der...
Der Dezember bringt erstaunliche Zeitreisen zurück ins 20. Jahrhundert, als die Welt noch übersichtlicher war; vor allem in Amerika, damals noch unbestrittene Nummer 1 als Weltwirtschaftsmacht. Mit allen dazugehörigen Klassenausdifferenzierungen, von den Wanderarbeitern in John Steinbecks Roman «Früchte des Zorns» (1939), den Armin Petras fürs Berliner Gorki...
