Kommando Himmelfahrt
Zu Beginn des zweiten Aktes rammelt Peer eine Schaufensterpuppe. Von allen Seiten – oben, unten, seitlich, sitzend, liegend, stehend, schließlich im Bühnengebirge talabwärts rutschend –, immer im selben soundverstärkten Stakkato-Rhythmus, in den eine hochgepitchte Frauenstimme unablässig «Peer!» ruft. Maschinell freudlos ist diese minutenlang hämmernde Penetration, an deren Ende Peer die schöne, reiche Bauerntochter In -grid sitzen lässt.
Dabei hat er sie eben noch von ihrer eigenen Hochzeit entführt! «Hol die Pest Euch Weiber alle», pöbelt Peer ihr in der alten Christian-Morgenstern-Übersetzung hinterher. Bei Vegard Vinge ist das nicht nötig, Ingrids Objektivierung als Sexdoll spricht bereits Bände. Abbilden, Überzeichnen und Wiederholen – mit diesem Drei-Schritt-Verfahren penetrieren Vegard Vinge, Ida Müller und Trond Reinholdtsen nicht nur die ersten anderthalb Akte von Ibsens «Peer Gynt», sondern auch acht Stunden lang das Publikum in der Berliner Volksbühne. Tatsächlich hat der Arbeitsschutz den insgesamt «48 Stunden», die die Aufführung Vinge zufolge dauern soll, einen Riegel vorgeschoben; stattdessen gliedert sich die Aufführungsserie nun in sechs Einheiten à acht Stunden. ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Eva Behrendt
Ursula Gärtner ist eingesprungen. Eigentlich hatte es um ihren Sohn Alex gehen sollen in diesem Stück. Doch nun steht Gärtner selbst auf der Bühne, in Bluejeans und schwarz-rot gemusterter Bluse, und erzählt ihre Geschichte mit großer Präsenz und Selbstverständlichkeit. Dabei schwingt ihre Zweitbesetzung den ganzen Abend mit, doch nicht wie ein Surrogat, sondern:...
Es schleicht umher, es lauert in den Ecken, es lässt sich nicht aufhalten: das Störgefühl, dass sich etwas anbahnt – ein ungebetener Gast, der durch die Tür spaziert, bevor man ihn überhaupt hineingebeten hat. Das Residenztheater eröffnet die Saison mit zwei Stücken, die sich vor der Kulisse historischer Kipppunkte abspielen: Ödön von Horváths «Kasimir und...
MANCHE LACHEN / KEINER WEINT», haben sie an der Volksbühne plakatiert, als ihr Intendant René Pollesch plötzlich und viel zu jung im Februar 2024 verstarb und man sich seiner Tränen eigentlich nicht schämen musste. Aber das trockene Kontern von Situationen und die betonte (vielleicht auch nur mühsam abgerungene) Coolness gehören zur DNA dieses Hauses. Wenn man als...
