Erinnerungsmaschinen
Ursula Gärtner ist eingesprungen. Eigentlich hatte es um ihren Sohn Alex gehen sollen in diesem Stück. Doch nun steht Gärtner selbst auf der Bühne, in Bluejeans und schwarz-rot gemusterter Bluse, und erzählt ihre Geschichte mit großer Präsenz und Selbstverständlichkeit. Dabei schwingt ihre Zweitbesetzung den ganzen Abend mit, doch nicht wie ein Surrogat, sondern: bereichernd, eine weitere Zeitzone eröffnend.
In «Futur 4» erzählen Rimini Protokoll von den Siebenbürger Sachsen – und von den Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz (KI).
Der eigentlich eingeplante Computerexperte Alex hatte kurz vor Probenbeginn erfahren, dass er zum Premierentermin Vater werden würde. Und so sprang die werdende Großmutter ein. Was würde sie ihrer Enkeltochter mitgeben wollen, und welche Rolle könnte KI dabei spielen? Als Mittlerin zwischen Lebenserzählung und Computerprogramm steht Gärtners Mitspielerin Xenia Klinge auf der modularen Treppenbühne. Sie lebe, sagt Ursula am Anfang des Stückes, seit dem 14. September 1957 auf dieser Erde. «Und», fragt Xenia Klinge, «wie viele Tage sind das?» 24.704, spuckt ihr Smartphone aus, über 24.000 Sonnenauf- und -untergänge. Die Arbeitsteilung des Abends ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Esther Boldt
«Mit Toves Texten zu arbeiten, heißt für mich auch immer mit sich selbst zu arbeiten», so formuliert es die Regisseurin Anja Behrens. Und mit «Tove» meint sie Tove Ditlevesen (1917–1976), jene dänische Schriftstellerin, die in der «Kopenhagen-Trilogie» von ihrem Leben und Arbeiten erzählt: vom Aufwachsen in einem Arbeiterviertel, vom zähen Kampf für ihren Traum,...
Zugegeben: Nach gefühlt drei Jahren Kafka-Festspielen rund um das 100. Todesjahr des großen Autors des 20. Jahrhunderts ist die Kritikerin schon etwas ermattet. Gerade «Der Prozess», der nun auch in Barrie Koskys Musiktheaterabend «K.» die erzählerische Grundlage bildet, wurde zuletzt von Berlin bis Basel immer wieder neu erzählt: Offenbar trifft das um 1914/15...
Eine erwachsene Person in Deutschland besitzt im Schnitt 87 Kleidungsstücke, Frauen 107, Männer 68. Weltweit werden pro Jahr 150 Milliarden Kleider produziert, ein großer Teil davon wird gar nie getragen. Eine Milliarde ungenutzte Kleidungsstücke lagern in deutschen Kleiderschränken, und das sind nur die, die auch mal gekauft wurden. Weltweit beträgt Textilabfall...
