Im Taumel der Zeitenwende
Es schleicht umher, es lauert in den Ecken, es lässt sich nicht aufhalten: das Störgefühl, dass sich etwas anbahnt – ein ungebetener Gast, der durch die Tür spaziert, bevor man ihn überhaupt hineingebeten hat. Das Residenztheater eröffnet die Saison mit zwei Stücken, die sich vor der Kulisse historischer Kipppunkte abspielen: Ödön von Horváths «Kasimir und Karoline» und «Nach Mitternacht» von Irmgard Keun.
In beiden Texten aus den 1930er Jahren taumeln Tagträumer und Nachtschwärmer, Weltenwandler und Stillstandspfleger durch die Unsicherheiten ihrer Zeit zwischen zerfallender Weimarer Republik, Rezession und dem Aufmarsch des Faschismus, zwischen politischen Umbrüchen, ideologischer Vereinnahmung und ökonomischen Zwängen.
Aber wohin mit der dunklen Vorahnung, die sich bedrohlich aktuell auch in den heutigen Gemütszustand einnistet? «In unruhigen Zeiten hilft es, sich zu vergewissern, wo man steht», verkündet Staatsintendant Andreas Beck zum Auftakt der Saison. 18 Premieren plant das Bayerische Staatsschauspiel für die Spielzeit 2025/26 – und will neben dem Schwerpunkt auf «Münchner Geschehen und Geschichte» auch starken Frauen eine Bühne bieten. Horváths Klassiker inszeniert die ...
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Theater heute November 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Ella Rendtorff
Wenn man in der Literatur auf Heilanstalten trifft, ist Vorsicht geboten. Von Friedrich Dürrenmatt bis zu Thomas Melle reichen allein die genrespezifischen Texte der Spätmoderne, in denen sich die typischen Verhältnisse verkehren und der Wahnsinn längst aufseiten der Behandelnden angekommen ist.
So auch im neuen Stück von Ferdinand Schmalz, das «Sanatorium zur...
Zu Beginn des zweiten Aktes rammelt Peer eine Schaufensterpuppe. Von allen Seiten – oben, unten, seitlich, sitzend, liegend, stehend, schließlich im Bühnengebirge talabwärts rutschend –, immer im selben soundverstärkten Stakkato-Rhythmus, in den eine hochgepitchte Frauenstimme unablässig «Peer!» ruft. Maschinell freudlos ist diese minutenlang hämmernde Penetration,...
Pläne der Redaktion
Gute Zeiten für neue Stücke: Uraufführungen von zeitgenössischer Dramatik u.a. von Bonn Park, Rainald Goetz, Anna Gschnitzer, Thomas Melle, Akin Emanuel Sipal
Delschad Numan Khorschid ist Schauspieler, Autor, Fotograf und Künstler und kennt Geschichten aus erster Hand, die immer noch viel zu selten erzählt werden – ein Porträt
Das Vadabuse...
