Komm, ich zeige dir mein Themenalbum
Da stehen sie in einer Reihe. Bevor in Hannover das große Schlachten anhebt, befinden sich Richard Gloster, seine künftigen Opfer und deren Angehörige auf Augenhöhe. Ein jeder spricht ein paar alarmierte Thesen von Baudrillard oder Giorgio Agamben und trägt so sein Scherflein zur Gegenwartsdiagnose bei, derzufolge wir sexuell, politisch und ästhetisch komplett auf den Hund gekommen sind. Zu viele Drogen, zu viel Konsum, zu viel Kommunikation, und obendrein dieses kranke positive Denken. Das Fazit zieht Richard: «In einer übersättigten Gesellschaft ist nur der Terror sinnvoll.
» Womit das Programm des Abends steht: Dieser künftige König ist kein kleiner Amokläufer, auch kein Sprengstoffmeister von Bin Ladens Gnaden, sondern ein intellektueller Hipster, der aus Langeweile und Verzweiflung an der Zivilisation zum Killer wird. Bleibt allenfalls zu klären, ob die Welt tatsächlich derart furchtbar ist, oder ob der intellektuelle Mensch nicht selber destruktive Züge trägt.
Es ist das Intro eines schrecklich inhaltsreichen bunten Abends. Der 36-jährige Regisseur Sebastian Baumgarten, im Musiktheater als einer der interessantesten Nachwuchsregisseure gehandelt und in den letzten drei Jahren ...
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Seit September hat das Wiener Volkstheater einen neuen Direktor. Diesen Satz konnte man zuletzt vor siebzehn Jahren schreiben, als mit Emmy Werner erstmals einer Frau die Leitung einer großen Wiener Bühne übertragen worden war. Zum Nachfolger der Langzeitintendantin wurde der Wiener Regisseur und Schauspieler Michael Schottenberg berufen. Keine besonders...
Fünf Personen – drei Männer, zwei Frauen – in identischem Outfit: dunkle Trainingshosen und Jacken, die geometrisch mit fluoreszierenden Streifen abgeklebt sind, Kapuzen, darunter gelbe T-Shirts und Stoffturnschuhe. Als ob das noch nicht genug an Uniformierung wäre, sind auch die Gesichter maskenhaft auf stereotype Gleichheit hin aufgeschminkt. Diese Leute hören...
Das Thema im sich erinnernden Kopfe hin und her wendend, ist mir schließlich eingefallen, dass ich mit einem meiner Irrtümer anfangen sollte. 1973 inszenierte Klaus Michael Grüber am (mitbestimmten) Schauspiel Frankfurt Brechts Frühwerk «Im Dickicht der Städte». Auf der großen Bühne hatte Eduardo Arroyo hunderte von Schuhen, ausgelatschten, aufschütten lassen. Am...
