Klimatheater: Genuss und Bestürzung

Das 5. Monologfestival im Berliner Theaterdiscounter unter dem Motto «Alarmstufe Rot» mit einer ultimativen Klima-Kunst-Performance von Arne Vogelgesang

Nicht, dass niemand es hat kommen sehen! Eine riesige, hässliche «Welle» aus Polstern, Kissen, in gewaltige Säcke gestopften Hüpfbällen und Füllmaterialien wälzt sich in Zeitlupe aus der Bühnentiefe in Richtung Rampe. Anscheinend wird sie von vier Showcase-Beat-Le-Mot-Performern nach vorne geschoben (gelegenlich sieht man zufällig einen Arm oder Kopf). Etliche Bühnenmeter lang beobachtet das Publikum den umständlichen Prozess in aller Kunst- und Seelenruhe.

Erst ein bis zwei Meter vor der ersten Reihe kommt Unruhe auf: Im letzten Moment machen sich einige beherzte Zuschauerinnen an die Arbeit, versuchen, die Polsterwand zu stoppen, werfen Objekte zurück, um dem Wandel Einhalt zu gebieten. 

Ein simples, aber doch triftiges und vermutlich improvisiertes Szenario (im Programmheft war eine LED-Performance angekündigt) steuerte die vor nun auch schon 22 Jahren gegründete Gruppe Showase Beat Le Mot zum 5. Monologfestival am Berliner Theaterdiscounter bei, passend zum bei UNO-Generalsekretär Antonio Guterres entlehnten Festivalmotto «Alarmstufe Rot». Zehn Eigenproduktionen, die den Monolog-Begriff erfreulich weit auffassten, hatten die Kurator*innen Janette Mickan und Michael Müller bei ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Sog des Jammerns

Smart sieht er aus, dieser Iwanow, der jetzt Nikolas «Nicki» Hoffmann heißt: Wie er so traurig in den Himmel guckt, dabei von der Videokamera eingefangen und an die Rückwand der Bühne gezoomt wird, während die melancholische Songwriterstimme von Bill Callahan erklingt, der eine traurige Ballade von Dunkelheit und sterbenden Schatten singt. Ein bisschen wie im Film...

Bremen: Spuklustschloss am Fjord

Ein Geist geht um auf Rosmersholm. Das ist nicht allzu bemerkenswert, ist doch die in den Alltag drängende Vergangenheit die Grundidee von Henrik Ibsens «Rosmersholm»: Hausherrin Beate belastet nach ihrem Suizid das sorgenfreie Weiterleben ihres Witwers Johannes (und nicht zuletzt seine Romanze mit ihrer ehemaligen Pflegerin Rebekka). Aber in Armin Petras’...

Düsseldorf: Tragische Frauen

«King Lear, so etwas fehlt uns», klagte Corinna Kirchhoff vor ein paar Jahren über den Mangel an Rollen für ältere Frauen. Penelope Skinner hat Abhilfe geschaffen. Nun gibt es «Linda», eine tragische Frau, die das Richtige will, aber grässliche Fehler macht. Irgendetwas ist doch von Anfang an falsch, wenn man die Gleichberechtigung der Frauen oder gar die...