Kiel: Zukunft von gestern
Funktioniert Science Fiction im Theater? Schwierig. Laurie Pennys «Everything belongs to the future» ist als Roman eine durchaus beunruhigende Dystopie, in der die Menschheit das Altern aufhalten konnte, zumindest für den Teil, der sich eine Droge namens «The Fix» leisten kann. Die Wohlhabenden verbringen ihre Tage faltenfrei zwischen Sport, Müßiggang und Feierabendcocktail, während die Mehrheit der Gesellschaft vor sich hinvegetiert und irgendwann stirbt. Eine verhältnismäßig hilflose Widerstandsgruppe gegen diese Zustände ist auch bald korrumpiert.
Klappt das auch auf der Bühne?
2018 entdeckte Laura N. Junghanns den Stoff fürs Theater Dortmund mit Freude an den technologischen Möglichkeiten, die die am Haus gepflegte Ästhetik bietet. In Kiel bedient sich Annette Pullen zwar der Fassung von Junghanns, nimmt sich des Stoffs allerdings mit traditionelleren Theatermitteln an: Ausstatterin Nina Sievers hat drei Inseln auf die winzige Studiobühne gebaut und das Publikum dazwischen verteilt; ansonsten wird ganz konventionell gespielt – ohne Videos, ohne virtuelle Realität. Die auf das reine Spiel konzentrierte Inszenierung besticht so einerseits durch eine nicht uninteressant ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Falk Schreiber
Eigentlich läuft das Theater gerade in Zeiten der Krise zur Höchstform auf. Als Ort subversiver Gemeinschaft und kollektiver Selbstvergewisserung, zum Mut fassen und Kraft schöpfen und um mitten in einer unübersichtlichen gesellschaftspolitischen Situation den Blick für besondere Standpunkte zu öffnen und die Gedanken zu schärfen. All das wäre auch jetzt besonders...
Ist das jetzt Trotz? Regisseur Philipp Preuss geriet im letzten Jahr in eine Repräsentationsdebatte: Seine Uraufführung des Dramas «atlas» von Thomas Köck wurde seitens asiatisch-deutscher Kulturschaffender grundlegend dafür kritisiert, dass hier «weiße Menschen die Geschichten von Menschen of colour auf deren Kosten nutzen» würden. In Mülheim inszeniert der weiße...
hallo/hört uns jemand?/kann uns jemand», «ist wer/ist wer da?», «wir .../ – /wir sehn wir spürn nicht ob da wer» (…) «sind wir/sind wir allein?/da draußen»: Zu Beginn von Ewald Palmetshofers «Die Verlorenen» (Stückabdruck TH 12/19) reden verschiedene Stimmen, allesamt «eine*r» genannt, in die Dunkelheit des Zuschauerraums. So will es der Autor im Text, so...
