Tanz um den Hammer
Eigentlich läuft das Theater gerade in Zeiten der Krise zur Höchstform auf. Als Ort subversiver Gemeinschaft und kollektiver Selbstvergewisserung, zum Mut fassen und Kraft schöpfen und um mitten in einer unübersichtlichen gesellschaftspolitischen Situation den Blick für besondere Standpunkte zu öffnen und die Gedanken zu schärfen. All das wäre auch jetzt besonders nötig. Aber diese Krise ist anders.
Das Corona-Virus trifft alle Bühnenkünste ins Mark, weil es durch seine unsichtbare Gegenwart ihre elementarste Bedingung abschneidet: die Kopräsenz von Akteuren und Zuschauern in einem Raum. Das gab’s so noch nie.
Ein politisches Versammlungsverbot kann man unterlaufen, irgendein geheimer Keller oder ein konspiratives Hinterzimmer findet sich immer. Aber diesmal ist der Feind omnipräsent, wir alle sind die potenzielle Gefahr, nicht nur für uns, sondern für andere, die uns nahestehen, Ältere, Vorerkrankte, die wir anstecken könnten. Das muss man sich erstmal klarmachen, und die Erkenntnis lähmt das gewohnte Trotzdem, mit dem man sonst Verbote von oben erstmal auf ihren Sinn abklopft. Was kann man noch tun, wenn jede spontane Bewegung aufeinander zu die Verbreitung der Gefahr bedeutet? ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Die Corona-Krise, Seite 4
von Silvia Stammen
Die ersten Minuten passiert nichts. Ein buntes Bühnenbild, ein wallendes Laken an der Decke, es dominiert die Farbe Rosa. Eine Höhle? Im Innern des Schweinebauchs? Schließlich betreten fünf Performer die Bühne und beschreiben Menschen, die sie in den vorausgehenden Minuten offenbar im Publikum beobachtet haben. Bewegungen, Kleidungsstücke, Gespräche, Frisuren. Das...
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