Mülheim/Ruhr: Unmoralischer Fixstern
Ist das jetzt Trotz? Regisseur Philipp Preuss geriet im letzten Jahr in eine Repräsentationsdebatte: Seine Uraufführung des Dramas «atlas» von Thomas Köck wurde seitens asiatisch-deutscher Kulturschaffender grundlegend dafür kritisiert, dass hier «weiße Menschen die Geschichten von Menschen of colour auf deren Kosten nutzen» würden. In Mülheim inszeniert der weiße Mann Philipp Preuss nun, mutmaßlich demonstrativ, ein Stück über weiße Männer: «Unterwerfung/Gegen den Strich». Das wirkt selbstironisch und ist wie immer technisch perfekt umgesetzt.
Eine funktionierende Kritik des Patriarchats mit all seinen Widerlichkeiten kann der Abend letztlich aber nicht entwickeln. Dem stehen die Protagonisten mit ihrer breitbeinigen Larmoyanz stoisch im Weg.
Das Setting von Bühnenbildnerin Ramallah Aubrecht lädt subtil und wirkungsvoll zur Verbrüderung ein: Etwa die Hälfte des Publikums sitzt zwischen den Schauspieler*innen an einer breiten, fast den ganzen Saal durchmessenden, festlich weiß gedeckten Tafel, der Rest auf Abstand in zweiter Reihe. Drumherum flackern teils verfremdete Live-Videos. Am Ende der Tafel fläzt Petra von der Beek im braunen Parka als Ekel François aus Michel Houellebecqs ...
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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Cornelia Fiedler
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