Hallo, ist wer da?
hallo/hört uns jemand?/kann uns jemand», «ist wer/ist wer da?», «wir .../ – /wir sehn wir spürn nicht ob da wer» (…) «sind wir/sind wir allein?/da draußen»: Zu Beginn von Ewald Palmetshofers «Die Verlorenen» (Stückabdruck TH 12/19) reden verschiedene Stimmen, allesamt «eine*r» genannt, in die Dunkelheit des Zuschauerraums. So will es der Autor im Text, so inszeniert es Nora Schlocker in der Münchner Uraufführung.
Namenlose Alltagsmenschen fragen nach etwas außerhalb ihrer selbst: nach einem physischen Gegenüber, nach einer göttlichen Instanz, nach einer Erklärung für das Gewusel auf Erden, dessen Teil sie nur für eine begrenzte Zeit sind.
Es ist merkwürdig, diesen Stück-Anfang noch einmal zu lesen, jetzt, wo die Mülheimer Theatertage genau wie viele andere Festivals in diesem Frühjahr und Sommer abgesagt sind. Die Höhepunkte der Saison, die sonst alljährlich künstlerische Kraft und Vielfalt der Theaterszene bündeln und stolz präsentieren, finden nicht statt. Oder wenn, dann nur als bescheidene Online-Formate ohne das leibhaftige Zusammentreffen von Künstler*innen und Publikum. Ohne das Festliche, wenn man so will. Der Auftakt der «Verlorenen» scheint die der Corona-Pandemie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2020
Rubrik: Mülheimer Stücke, Seite 32
von Eva Behrendt
Unspektakuläre Aufklärungsarbeit gehört an manchen kleineren Stadttheatern zum Auftrag. Regensburg zum Beispiel stellt regelmäßig auf der Studiobühne aktuelle Stücke vor, die mit wenig Aufwand und viel echtem Engagement beitragen sollen zum Verständnis der Probleme von Minderheiten in der Gesellschaft. Die Aufführungen finden nicht etwa pflichtschuldig abseits der...
Zwei Tage war das Virus, das 14 Tage später das (Theater-)Leben zum Erliegen brachte, schon in Deutschland unterwegs, als am 29. Februar am Hamburger Thalia Theater Yael Ronens «(R)Evolution» zur Uraufführung kam. Der Abend, inspiriert von den Gedankenspielen zu den disruptiven Einschnitten am Ende des Anthropozäns von Ronens israelischem Landsmann Yuval Noah...
Zum letzten Mal Theater vor dem Lockdown, vielleicht sogar die letzte Premiere der Spielzeit: Zwei Tage vor Christoph Marthalers abgesagter Dieter-Roth-Uraufführung «Das Weinen (Das Wähnen)» konnte Leonie Böhm, Hausregisseurin am Schauspielhaus, ihren Büchner-Abend noch herausbringen. Es grenzt an ein Wunder, viele Theater hatten schon geschlossen, und am...
