Hallo, ist wer da?

Das wären die Mülheimer Theatertage gewesen – ein Rundgang durch die neue Dramatik

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hallo/hört uns jemand?/kann uns jemand», «ist wer/ist wer da?», «wir .../ – /wir sehn wir spürn nicht ob da wer» (…) «sind wir/sind wir allein?/da draußen»: Zu Beginn von Ewald Palmetshofers «Die Verlorenen» (Stückabdruck TH 12/19) reden verschiedene Stimmen, allesamt «eine*r» genannt, in die Dunkelheit des Zuschauerraums. So will es der Autor im Text, so inszeniert es Nora Schlocker in der Münchner Uraufführung.

Namenlose Alltagsmenschen fragen nach etwas außerhalb ihrer selbst: nach einem physischen Gegenüber, nach einer göttlichen Instanz, nach einer Erklärung für das Gewusel auf Erden, dessen Teil sie nur für eine begrenzte Zeit sind. 

Es ist merkwürdig, diesen Stück-Anfang noch einmal zu lesen, jetzt, wo die Mülheimer Theatertage genau wie viele andere Festivals in diesem Frühjahr und Sommer abgesagt sind. Die Höhepunkte der Saison, die sonst alljährlich künstlerische Kraft und Vielfalt der Theaterszene bündeln und stolz präsentieren, finden nicht statt. Oder wenn, dann nur als bescheidene Online-Formate ohne das leibhaftige Zusammentreffen von Künstler*innen und Publikum. Ohne das Festliche, wenn man so will. Der Auftakt der «Verlorenen» scheint die der Corona-Pandemie ...

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Theater heute Mai 2020
Rubrik: Mülheimer Stücke, Seite 32
von Eva Behrendt

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