Katastrophenmärchen

nach Voltaire «Candide oder Der Optimismus»

Ein bisschen fühlt man sich wie beim Weihnachtsmärchen in der Schulaula. Auf dem Programm steht philosophische Pflichtlektüre: «Candide oder der Optimismus» nach Voltaire, szenisch ein­gerichtet – mehr kann man das nicht nennen – von der Regisseurin Friederike Heller und dem Dramaturgen Andreas Karlaganis.

Auf schräger Ebene vor gut ausgeleuchtetem Rundhorizont hat sich, wie häufig bei Heller-Inszenierungen, eine Abordnung der Hamburger Band Kante rund um Peter Thiessen platziert, aus dem Schnür­boden baumelt an Fäden ein Sammelsurium aus buntem Plastikkrimskrams (Bühne: Sabine Kohlstedt), und das fünfköpfige Ensemble postiert sich erst einmal vorn an der Rampe wie das Lehrerkollegium vor den Erstklässlern und fragt in die Reihen, warum nur ein derart seltsames Wesen wie der Mensch geschaffen worden ist.

Zu dieser nicht wirklich weiterführenden Frage (bei Voltaire richtet sie der Hardcore-Optimist Pangloss gegen Ende an einen türkischen Derwisch, der treffend pariert «Was geht dich das an?») gesellen sich bald weitere: Macht es zum Beispiel Sinn, die vorgeschützte Naivität des notorischen Spötters Voltaire zum Prinzip einer über weite Strecken naiv-illustrativen Nacherzählung zu ...

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Theater heute Februar 2012
Rubrik: Chronik: München, Seite 52
von Silvia Stammen

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